Semantische Systeme

Der Arbeitsbereich „Semantische Systeme“ widmet sich allen Fragen semantischer Datenmodellierung und digitaler Wissensorganisationssysteme. Schwerpunkte liegen u. a. auf der Theorie und Praxis kontrollierter Vokabulare und komplexer Begriffssysteme.

Semantisch aussagekräftige Daten sind eine Grundvoraussetzung für digitale Wissenschaft und Forschung. Sie gewährleisten die Anschlussfähigkeit von Forschungsdaten und Infrastrukturen und ermöglichen es, Wissensbestände und Ressourcen sinnvoll digital in Beziehung zueinander zu setzen, zu vernetzen, zu durchsuchen und zur Grundlage datenbasierter Forschung zu machen. Folgen sie dabei etablierten Standards und Vorgehensweisen, sind sie ein Grundpfeiler für freie und offene Daten, die am semantic web partizipieren.

Tätigkeitsschwerpunkte

Tätigkeitsschwerpunkte

Fragen der Entwicklung und des Einsatzes semantischer Daten und Datenmodelle betreffen heute alle Bereiche digitaler wissenschaftlicher Tätigkeit – von Erschließungs- und Dokumentationssystemen in Museen, Archiven oder Bibliotheken bis hin zu digitalen Forschungsumgebungen, Spezialdatenbanken, Fachinformationsdiensten, Publikationsumgebungen oder digitalen Editionsprojekten.

Insbesondere die digitale Geschichte und kulturgeschichtlich arbeitende Disziplinen stehen hierbei vor der Herausforderung, Standards für die digitale Arbeit entweder noch schaffen oder für die eigenen fachwissenschaftlichen Bedarfe adaptieren und weiterentwickeln zu müssen – nicht zuletzt, um auch komplexe und hochdynamische historische Phänomene digital erfassen und beschreiben zu können.

Der Arbeitsbereich „Semantische Systeme“ wurde 2024 eingerichtet, um diesen Herausforderungen Rechnung zu tragen. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören:

  • Theorie und Praxis digitaler Wissensorganisationssysteme (vor allem Information Retrieval-Thesauri und Gazetteers)
  • Fragen semantischer Datenmodellierung und domänenspezifischer Ontologieentwicklung

Wichtigste Produkte des Arbeitsbereichs sind: 

Zudem berät der Arbeitsbereich hausintern und -extern in der Projekt- und Antragsentwicklung und führt Schulungen und Workshops zu seinen Arbeitsgebieten durch.

Historischer Thesaurus

Historischer Thesaurus

Der „Historische Thesaurus“ ist ein im Aufbau befindlicher Information-Retrieval-Thesaurus für die historisch arbeitenden Geistes- und Kulturwissenschaften. Maßgebend und leitend ist die Überzeugung, dass die historisch arbeitenden Disziplinen eigene, methodisch und epistemologisch geeignete Werkzeuge zur terminologischen Kontrolle benötigen.

Als Universalthesaurus mit historischem Schwerpunkt vereint er Begriffsgruppen, die bislang nur in thematisch engeren Fach- und Spezialvokabularen, semantisch flach in Normdateien und vielfach noch gar nicht über kontrollierte Vokabulare verfügbar sind und setzt sie logisch in Beziehung zueinander. Hierzu gehören etwa Begriffe zu Objekten, Werken, Ereignissen, Akteuren, Epochen und Zeiträumen, Verfahren, Technologien, Sprachen, Schrift- und Zeichensystemen, historischen Motiven und Themen, Disziplinen, Ideologien und Theoriebegriffe. Ergänzend werden weitere Begriffsgruppen berücksichtigt, um eine kontextorientierte Indexierung und deren spätere Abfrage zu ermöglichen.

Einsatzbereiche

Der „Historische Thesaurus“ ist sowohl auf den Einsatz in historischen Sammlungen (Archiven, Museen und Bibliotheken) als auch auf die Nutzung in Forschung und Lehre ausgerichtet und fungiert dabei als begriffliche Scharnierstelle. Als terminologischer Knotenpunkt hält er zudem SKOS-konforme Querverweise (Mappings) zu den wichtigsten internationalen Fach- und Referenzvokabularen sowie Normdateien vor und ist semantisch breit anschlussfähig.

Der „Historische Thesaurus“ ist standardbasiert, mehrsprachig und entspricht der ISO-Norm 25964:1-2. Bezeichnungen werden regulär in mindestens vier Sprachen aufgenommen (Deutsch, Englisch, Französisch und Polnisch). Die Entwicklung des Thesaurus steht in enger Verbindung mit dem Copernico-Portal.

Weitere Informationen und Publikationen zum Thesaurus finden Sie auf seiner Webseite:

Historischer Thesaurus

Praktika

Praktika

Je nach vorhandenen Kapazitäten besteht die Möglichkeit, ein unentgeltliches Praktikum in der Thesaurus-Redaktion zu absolvieren. Bitte bewerben Sie sich mit einem tabellarischen Lebenslauf und einem kurzen Motivationsschreiben. Nennen Sie hierfür mögliche relevante Erfahrungen und Vorkenntnisse.

Erforderliche Fähigkeiten und Kompetenzen

Hohe Affinität zur Begriffs- und Terminologiearbeit, hilfreich sind Vorerfahrungen in einschlägigen Bereichen der sachbegriffsbasierten Indexierung oder Annotation.

Mögliche Aufgaben

Redaktion von Begriffsdatensätzen im Thesaurus, darin u. a.: Identifikation geeigneter Begriffe und Begriffskorpora nach fachlichen und formalen Kriterien; Recherche und Anlage von Begriffen, Bezeichnungen und Definitionen; Recherche und Auswertung von Fachliteratur; Abgleich und Mapping mit nationalen und internationalen Referenzvokabularen.

Mit dem Praktikum verbunden ist eine Schulung in Theorie und Praxis standardbasierter kontrollierter Vokabulare.

Mindestdauer: 6 Wochen

Fragen stellen & sich bewerben (mit Lebenslauf und einseitigem Motivationsschreiben): Felix Köther (felix.koether@herder-institut.de)