Forschungsprojekt
Laufend
Subjektivitäten des Landbesitzes: Landumverteilung und der Nationalstaat im Baltikum im Laufe des 20. Jahrhunderts (SOL)
Laufzeit
2024 - 2027
Neu entstandene landwirtschaftliche Betriebe in Lettland, aus: Latvija 20 gados, bearb. von R. Bērziņš-Valdess / S. Vidbergs, Riga 1938. x, Rechte vorbehalten - freier Zugang
Subjectivities of Owning Land: Land Redistribution and the Nation State in the Baltics Across the 20th Century (SOL)
Das Projekt SOL untersucht, wie Landumverteilungen die Gesellschaften im Baltischen Raum geprägt hat. Durch die Rekonstruktion der Auswirkungen von Landreform, Kollektivierung und Privatisierung auf Subjektivitäten überbrückt SOL die tiefen Brüche in der Geschichte der Region.
Estland 1937, Karte hergestellt im Verlag Orion von David Koppel. David Koppel / Digital Archive of the National Library of Estonia (DIGAR), Rechte vorbehalten - freier Zugang
Die Frage, wer Land besitzen darf, ist ein Schlüsselproblem für soziale, wirtschaftliche und politische Systeme weltweit. Für Eigentümer kann Land sowohl Lebensunterhalt als auch sozialen Status garantieren. Für moderne Staaten hingegen ist die Kontrolle von Landbesitz (und landwirtschaftlicher Produktion) auf besondere Weise mit nationaler Souveränität verbunden. Politiken der Landumverteilung zielen daher darauf ab, die Beziehung zwischen ländlicher Bevölkerung und Staat zu vertiefen, indem sie soziale Identitäten formen und dem Staat Legitimität verschaffen. Aus diesem Grund spielen Landverteilung und -reform bei Revolutionen und politischen Umwälzungen eine entscheidende Rolle. Landreformen sind daher zu einem Gradmesser von Demokratisierung, wirtschaftlicher Ermächtigung und sozialer Integration geworden.
Agrargesetz von 1919 über die Aufteilung des Großgrundbesitzes in Estland, Titelblatt. Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung, CC BY-NC-SA 4.0
Das Projekt SOL untersucht, inwieweit sukzessive Projekte der Landumverteilung die Geschichte der baltischen Staaten (Estland, Lettland, Litauen) im 20. Jahrhundert geprägt haben und zu einem spezifischen Verhältnis zwischen Gesellschaft und Staat führten. SOL führt die Landreform der Nationalstaaten der Zwischenkriegszeit, die nach dem Zusammenbruch des Russländischen Imperiums entstanden, die Kollektivierung nach der sowjetischen Annexion und die Privatisierung 1991 zusammen. Die Landreformen der Zwischenkriegszeit sowie die Privatisierung der 1990er Jahre spielten in politischer und ökonomischer Hinsicht eine zentrale Rolle beim inneren Staatsaufbau und bei der Integration in eine neue internationale Ordnung; während die Kollektivierung für die Sowjetisierung der Region zentral ist.
SOL fokussiert die transformativen Landumverteilungen beider Epochen durch einen interdisziplinär angelegten Analyserahmen der „Subjektivität“, um die langfristigen Auswirkungen auf Gesellschaften zu untersuchen. Es untersucht, wie die Ungewissheit über die Zukunft von Eigentumsnormen Landumverteilungsprojekte prägte, wie die Landumverteilung Selbstbilder und Konzepte von Individuen, Familien und Geschlechterrollen, Gemeinschaften und Gesellschaften veränderte und somit Identitäten, aber auch Loyalitäten prägte.
SOL fokussiert die transformativen Landumverteilungen beider Epochen durch einen interdisziplinär angelegten Analyserahmen der „Subjektivität“, um die langfristigen Auswirkungen auf Gesellschaften zu untersuchen. Es untersucht, wie die Ungewissheit über die Zukunft von Eigentumsnormen Landumverteilungsprojekte prägte, wie die Landumverteilung Selbstbilder und Konzepte von Individuen, Familien und Geschlechterrollen, Gemeinschaften und Gesellschaften veränderte und somit Identitäten, aber auch Loyalitäten prägte.