Infrastrukturprojekt
Abgeschlossen

Digitale 3D Rekonstruktionen in virtuellen Forschungsumgebungen

Virtuelle Rekonstruktionen in transnationalen Forschungsumgebungen – Das Portal: Schlösser und Parkanlagen im ehemaligen Ostpreußen
Laufzeit
2013 - 2016
Das kulturelle Erbe der ehemals deutschen Region Ostpreußen bildet heute einen Bestandteil der Kulturlandschaft Polens, der Russischen Föderation und Litauens. Ein erheblicher Teil der architektonischen Denkmäler ist jedoch durch die Kriegszerstörungen und anschliessende Vernachlässigungen inzwischen unwiederbringlich verloren. Hierzu zählen auch jene Schloss- und Parkanlagen, die im 18. Jahrhundert entstanden sind und nun, über zwanzig Jahre nach den Umbrüchen von 1989/91, besondere Anforderungen an die historische, bau- und kunstgeschichtliche Erforschung sowie die Dokumentation stellen. Sie sind zugleich Herausforderung und Chance für die Digital Humanities in der wirtschaftlich und kulturell stark geschwächten Grenzregion der Europäischen Union.
Das international und interdisziplinär aufgestellte Projekt Virtuelle Rekonstruktionen in transnationalen Forschungsumgebungen – Das Portal: Schlösser und Parkanlagen im ehemaligen Ostpreußen untersucht den gesamten Prozess der 3D-Computer-Rekonstruktion verloren gegangener Architektur und zerstörter Inneneinrichtung. Die vorläufigen Ergebnisse basieren auf der digitalen 3D Rekonstruktion zweier heute fast vollständig zerstörter Barockschlösser, Schlodien (Gładysze/Polen) und Friedrichstein (Каменка/Russland), und bringen neue Erkenntnisse für die Quellenerschließung, Dokumentation, semantische Modellierung und Visualisierung von 3D-Datensätzen innerhalb der WebGL-Technologie. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Entwicklung einer Cultural Heritage Markup Language (CHML), eines menschen- und maschinenlesbaren XML-Schemas zur semantischen Annotation und Integration diverser Meta- und Paradaten einschließlich der Auszeichnung von Geometrie-, Material- und Lichteigenschaften im Quelltext. In der Projektlaufzeit soll neben der forschungsgestützten digitalen Rekonstruktion beider Barockschlösser das verfügbare Wissen gebündelt und durch eigene Forschungen ergänzt werden.
Das Schloss in Schlodien und die Parkanlage wird mit Hilfe der Förderung von der Beauftragen der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rechner rekonstruiert und visualisiert. Das aufzubauende Wissensportal ist im Überschneidungsbereich zwischen Architektur, Kunstgeschichte, Geschichte, Informatik und Wissenstransfer angesiedelt und zielt mittelfristig auf die Definition von Standards für die webbasierte Erstellung, Dokumentation und Präsentation von 3D-Datensätzen zu zerstörten Bau- und Kunstwerken. Als Prototyp einer offenen Forschungsumgebung für digitale Rekonstruktionen wird das Projekt von den beteiligten Partnern wissenschaftlich und didaktisch konzipiert und ist seit Gründung der Arbeitsgruppe „Digitale Rekonstruktion“ innerhalb der „Digital Humanities im deutschsprachigen Raum“ verankert. Die Forschungsergebnisse werden durch die Entwicklung eines interaktiven webbasierten „Virtuellen Museums“ den Forschenden und der breiten Öffentlichkeit vor Augen geführt.