Neuer Themenschwerpunkt "Zuhause in der Diaspora" auf Copernico
Diaspora
Kriege und Revolutionen haben im 20. Jahrhundert zu Migrationsbewegungen gewaltigen Ausmaßes geführt. Millionen Menschen mussten ihre Herkunftsregionen für immer verlassen. Gerade die Region des östlichen Europas bis in den Kaukasus hinein war aufgrund der dort auftretenden neuen politischen Verhältnisse von Flucht und Vertreibung in besonderem Maße betroffen. So wurden zum Beispiel die in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen unabhängigen baltischen Staaten von der Sowjetunion besetzt und zu Sowjetrepubliken umgewandelt.
Um dieser drohenden sowjetischen Einflussnahme zu entfliehen, setzten im Zuge des Zweiten Weltkrieges große Fluchtbewegungen ein. Und während sich deutsche Geflüchtete und Vertriebene in den Besatzungszonen der späteren Bundesrepublik und der Deutschen Demokratischen Republik niederlassen konnten, war das weitere Schicksal anderer Gruppen ungewiss.
Ziel dieses von Elke Bauer, Agnese Bergholde-Wolf, Dietmar Popp und Jürgen Warmbrunn herausgegebenen Copernico-Schwerpunktes ist es, die Vielfalt der Erfahrungen von Geflüchteten aus dem östlichen Europa in der Diaspora einzufangen. Die hier versammelten Beiträge bieten ein breites Spektrum an Aspekten und Fragestellungen: Einzelpersonen, Familien und Gruppen, deren Netzwerke und Institutionen; die Pflege von Sprache und Kultur und damit Bewahrung von Identität; die Erfahrungen mit dem Aufnahmeland und seiner Gesellschaft; die Identität und Selbstwahrnehmung der zweiten und dritten Generation in Bezug auf die Herkunftsregion ihrer Vorfahren; die Hoffnung auf Rückkehr nach einer politischen Wende und die Verständigung mit den Gesellschaften im (befreiten) Herkunftsland.