Digitale Begegnungen mit Kunstdenkmälern

Unter dem Motto „Ebenen der Zusammenarbeit“ stand die 8. Konferenz der Reihe „Digitale Begegnungen mit Kunstdenkmälern“ an der Universität Wrocław

Die Konferenz fand 29. November 2019 im Kunsthistorischen Institut der Universität Wrocław statt. Das Herder-Institut war, neben der Technischen Universität sowie der Akademie für bildende Künste in Lodz (Łódź), schon das zweite Mal Partner dieser Veranstaltung. Die Reihe bildet seit 2007 ein inzwischen etabliertes Forum zum Ausstauch im Rahmen der Digital Humanities (mit dem Schwerpunkt digitale Kunstgeschichte). Der Austausch findet dabei nicht nur zwischen polnischen Einrichtungen aus dem Wissenschafts-, Denkmalpflege- und Museumsbereich statt, sondern ist stets grenzübergreifend. Die Analysen, Ergebnisse und Bilanzen dieser Treffen wurden in mehreren Bänden zusammengeführt und veröffentlicht. Publikationsreihe herausgegeben von Piotr Oszczanowski, Agnieszka Seidel-Grzesińska und Ksenia Stanicka-Brzezicka

Das Hauptthema der diesjährigen Konferenz war die Zusammenführung und Integration von Daten über das kulturelle Erbe, darunter:

  • Domänenontologien, d.h. Ontologien zur Beschreibung des Inhalts, und Metadaten in Prozessen der gemeinsamen Nutzung und in Prozessen des Datenaustauschs verschiedener heterogener Quellen,
  • Normvokabulare in der Dokumentationspraxis des Kulturerbes,
  • grafische Umgebungen, Augmented und Virtual Reality als kollaborative Umgebung für die Erforschung des Kulturerbes,
  • Erstellung und Nutzung von digitalen Abbildungen sowie
  • Förderung des Wissens über das kulturelle Erbe im Internet.

Die Tagung stand im Zusammenhang mit dem Projekt „Leopoldina online – platforma integracji i udostępniania elektronicznych zasobów Uniwersytetu Wrocławskiego dla nauki, edukacji i popularyzacji wiedzy” („Leopoldina online – eine Plattform für die Integration und gemeinsame Nutzung elektronischer Ressourcen der Universität Wrocław für Wissenschaft, Bildung und Wissenspopularisierung“). Das Projekt wird von der Universität Wrocław im Rahmen des Programms „Cyfrowa Polska 2014-2020“ („Polen Digital 2014-2020“) durchgeführt.

Digitale Begegnungen mit dem Kulturerbe
Elke Bauer präsentiert die Zentrale Bestandsbeschreibung

Das Herder-Institut war mit vier Referaten vertreten. Elke Bauer präsentierte die Zentrale Bestandsbeschreibung (ZBB) des Instituts. Sie stellte das digitale Angebot in den Kontext der Chancen und Herausforderungen des digitalen Wandels, wie Interoperabilität, gute Recherchemöglichkeiten und Mehrsprachigkeit. Sie präsentierte die ZBB zudem als Möglichkeit noch nicht digital verfügbare Bestände in der digitalen Welt sichtbar zu machen. Antje Johanning-Radžienė knüpfte an das Thema der Komplexität geisteswissenschaftlicher Daten in ihrer Vorstellung des entstehenden Portals „Copernico“ an, das ab 2020 eine zentrale Anlaufstelle für Fragen rund um „Geschichte und kulturelles Erbe im östlichen Europa“ werden soll.

Digitale Begegnungen mit dem Kulturerbe
Antje Johanning-Radžienė bei der Vorstellung des entstehenden Portals „Copernico“

Sławek Brzezicki verband die  Problematik der Konzeptentwicklung für einen multilingualen Thesaurus (Architektur- und Kunstgeschichte) mit der Präsentation des Vorzeigeprojekts „Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Ostmitteleuropa”, dessen digitale Version gerade in der Aufbauphase ist. Ksenia Stanicka-Brzezicka reflektierte – anhand der Erfahrungen aus den Projekten „Forschungsinfrastruktur Kunstdenkmäler in Ostmitteleuropa (FoKO)“ und „Semantics4Art&Architecture“ – die möglichen Ebenen einer Zusammenarbeit wie der gemeinsamen Nutzung und Entwicklung von Standards, Datenexporten über Austauschformate und deren Übergabe an Repositorien oder dem Aufbau institutioneller Netzwerke zwecks Gewährleistung der Nachhaltigkeit digitaler Tools und Produkte.

Digitale Begegnungen mit dem Kulturerbe
Ksenia Stanicka-Brzezicka teilte ihre Erfahrungen aus den Projekten „Forschungsinfrastruktur Kunstdenkmäler in Ostmitteleuropa (FoKO)“ und „Semantics4Art&Architecture“

Die weiteren Referate konzentrierten sich auf die Themen des Datenaustausches (Agnieszka Seidel-Grzesińska: CIDOC CRM and LIDO as the Basis for the Data Exchange Standard – the Role of Ontologies in Data Integration and Aggregation Systems), der Klassifikationssyteme (Elżbieta Herden: Classifications as a Search Tools in the Digital Environment) sowie der Virtual und Augmented Reality (Adam Ślósarczyk: Looking at Reality with Computer – the Art of Moving Objects to the Digital World, Rafał Szrajber und Jarosław Andrzejczak: Information Balance in the Presentation of Information about Cultural Heritage in a Virtual Environment, Rafał Szrajber: A new Dimension of Heritage – the Video Game Environment as a Source of Building Soft Power. From Reconstruction of Cultural Heritage to Fictitious Virtual Worlds). Platz fanden auch Projekte aus dem Bereich der Museologie (Katarzyna Reszka und Marcin Sarnowski: Is it Possible to Create a Universal Tool Supporting the Management of Museum Collections? Experiences of Six Museums in the Implementation of the iArt Project) sowie aus dem Gebiet der Objekterfassung und -beschreibung in Datenbanken und mit Unterstützung digitaler Tools (Józef Skrabski: Digitalisation of Sacral Monuments in Małopolska, Justyna Wieczorek, Jan Wieczorek und Jakub Zarzycki: Henryk Siemiradzki and Artificial Intelligence. The Use of Machine Language Processing (MLP) in Studies on the History of Polish Painting).

Das Treffen war eine eintägige, aber intensive Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen im Bereich der digitalen Dokumentation des kulturellen Erbes mit besonderem Schwerpunkt auf Kooperation und Austausch, die – wie sich herausstellte – in sehr unterschiedlichen Bereichen stattfinden können: von der Datenaggregation, über die Technologie bis hin zur Zusammenarbeit zwischen Forschenden und/oder Institutionen. Angereichert mit Multimedia-Präsentationen und einem Überblick über kommerzielle Technologien ist die diesjährige Auflage der Tagungsreihe „Digitale Begegnungen mit Kunstdenkmälern“ wieder zu einer „Ebene der Zusammenarbeit“ geworden.

Ksenia Stanicka-Brzezicka

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