Dialogsymposium zu „Konfliktregionen im östlichen Europa“

Neues Format erfolgreich getestet: Die Dialogsymposien des LOEWE-Schwerpunkts „Konfliktregionen im östlichen Europa“ gingen, in Kooperation mit dem Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, in die erste Runde

„Haben wir einen neuen Ost-West-Konflikt?“ fragte Moderator Andreas Schwarzkopf in die Podiumsrunde und öffnete nach kurzem Schlagabtausch der Diskutanten und einem metaphorischen Endstand von 2:2 die Diskussion für das Publikum.

DialogsymposiumSo ging ein erfolgreicher Abend für den LOEWE-Schwerpunkt und das Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung zu Ende. Es wurde diskutiert um die Fragen, ob die aktuellen Konfliktlagen in und um das östliche Europa dem Begriff eines „neuen Ost-West-Konflikts“ gerecht werden und ob wir uns wieder in Richtung eines Kalten Krieges bewegen würden. Die zweite Frage konnte einstimmig verneint werden: Es fehle die Blockbildung, die direkte atomare Bedrohung und die politische Weltordnung sei nicht vergleichbar mit der des Kalten Krieges.

Uneinigkeit herrschte jedoch hinsichtlich der ersten Frage.

Nach Begrüßung und Impulsvorträgen von Christopher Daase, Peter Haslinger und Andrea Gawrich, eröffnete Moderator Andreas Schwarzkopf das Podium:
Nach Meinung von Hans-Joachim Spanger könne von einem neuen Ost-West-Konflikt gesprochen werden. Zwar sei es kein Wiedererwachen des Kalten Krieges, trotzdem könne man die Konfliktparteien in die geografischen Pole Ost und West einteilen. Hierbei sei aber zu beachten, dass nicht die ehemaligen Siegermächte mit den Säbeln rasseln, sondern dass bei globaler Betrachtung nun China auf das Parkett getreten ist.
Die Vielfalt der Konflikte machte es den Diskutanten schwer. Thomas Franke und Iryna Lysenko bezogen sich auf den Krieg in der Ukraine – dem Krieg in Europa. Ein – wie auch Andrea Gawrich in ihrem Impulsvortrag feststellte – beinahe vergessener Krieg. Franke betonte die wirtschaftlichen, privaten und zivilgesellschaftlichen Vernetzungen, die es in den heutigen hybriden Konflikten schwierig, wenn nicht unmöglich mache Erlerntes aus den vergangenen Ost-West-Konflikten für neue Lösungen anzuwenden. Ein Wirrwarr in dem sich auch die Berichterstattung der Medien wiederfinde, die ohnehin in Zeiten von online Medien und „fake news“ mit fehlender finanzieller Grundlage und sinkender Glaubwürdigkeit kämpfe. Welche Rolle Medien und Wissenschaft in Konfliktlagen spielen sollten oder können, beantwortete Iryna Lysenko mit einem Appell an die Forschung: Ihre Erkenntnisse sollten zugänglicher sein und in den öffentlichen Diskurs eingehen, um Meinung und Menschen zu bilden.

Hier widersprach Thorsten Bonacker, der die Rolle der Forschung eher im Hintergrund sieht. Diese sei nicht in der Position Lösungen zu liefern, sondern vielmehr da, um Diskursräume zu öffnen und Konfliktphänomene zu verstehen.
Die anschließenden Publikumsfragen vertieften eine Diskussion, die auch im Foyer nach Ende der Veranstaltung rege weitergeführt wurde.

Der LOEWE-Schwerpunkt „Konfliktregionen im östlichen Europa“ und das Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung bedanken sich für einen gelungenen Abend und eine spannende Diskussion.

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