Martin Luther, die Reformation und ihre Auswirkungen auf Ostmitteleuropa

Ein Blick auf die Bestände der Forschungsbibliothek

Vor 500 Jahren spitzte Martin Luther (1483-1546) mit seiner Kritik am Ablasshandel der Kirche schon länger bestehende Reform- und Erneuerungsbestrebungen zu. Sie führten zur konfessionellen Aufspaltung der christlichen Westkirche. Dieses Zeitalter der Reformation strahlte rasch und nachhaltig nach Osten aus, wie die folgenden Schlaglichter zeigen. Bestände der Forschungsbibliothek ermöglichen gerade im Jubiläumsjahr weitere Recherchen zu den Auswirkungen von Luther, Reformation oder Protestantismus auf Ostmitteleuropa.

Martin Luther im deutschsprachigen Raum

Martin Luther, zumal im deutschsprachigen Raum kultisch verehrt oder erbittert angefeindet, stiftete eine nicht nur protestantische Identität. Seine Rückbesinnung auf biblische Aussagen, die provokante Formulierung von sola gratia (Rettung allein durch Gottes Gnade nicht durch Werke), sola fide (Rechtfertigung allein durch Glauben), sola scriptura (allein die Schrift statt Tradition als Grundlage des Glaubens)und solus Christus (allein Person, Wirken und Lehre Jesu Christi als Grundlage für Glauben und Errettung) veränderten die kirchliche und Glaubens-Realität. Luther begründete die evangelische Predigtkultur und regte die Abfassung von Gottesdienstordnungen an.

Die Reformation ließ Gesangbücher entstehen, da der muttersprachliche Gemeindegesang an Bedeutung gewann, veränderte dadurch zugleich Rolle und Größe der begleitenden Orgeln in den Kirchenbauten und insgesamt die Kirchenmusik. Luthers Bewertung oszilliert bis heute zwischen Kirchenvater oder Kirchenspalter, Nationalheld oder Fürstenknecht, grundlegender Förderer der Nationalsprache, Vorkämpfer (christlicher) Gewissensfreiheit und schulischer Allgemeinbildung oder glühender Antisemit. Speziell seine deutsche Bibelübersetzung (1534), wofür er seinen Zeitgenossen bewusst „auf’s Maul schaute“ veränderte die Geistes- und Kulturgeschichte auch in Ostmitteleuropa radikal.

Gedruckte Bibeln in Nationalsprachen

Der Buchdruck verbreitete protestantische Flugschriften in rascher und umfangreicher Folge. Bibeln wurden in Nationalsprachen gedruckt. Um das (Nach)Lesen in der Bibel jedem zu ermöglichen, erstrebten die Reformatoren Bildung für alle durch ein allgemeines Schulwesen. Die Reformation wirkte tiefgreifend und verändernd auf viele Gebiete des Lebens: auf Ehe und Familie, Staat und Gesellschaft, Schule und Hochschule, Wissenschaft, Wirtschaft und Kunst mit Bereichen wie(Kirchen-)Musik, Literatur, Architektur und Malerei.

Gesamtansicht und Beispielseite der sorbischen Ausgabe eines Predigtbuches Martin Luthers
Gesamtansicht und Beispielseite der sorbischen Ausgabe eines Predigtbuches Martin Luthers

Protestantismus war letztlich Reformation und Revolution zugleich, wie es der Kirchenhistoriker Adolf von Harnack formulierte. Die EINE christliche Kirche zerfiel, von Luther ursprünglich nicht gewollt, in verschiedene Konfessionen, z.B. in Lutheraner und Reformierte (um Huldrych Zwingli (1484-1531) bzw. Johannes Calvin (1509-64)). Luthers “Freiheit eines Christenmenschen“ bildete die Grundlage für individuelle Menschenrechte, für Eigenverantwortung, letztlich auch für die Aufklärung. Der zunehmend individualistisch geprägte Glauben schied immer stärker westliches von östlich-orthodoxem, eher kollektiv geprägtem Christentum.

Reformbewegungen in Ostmitteleuropa

In Ostmitteleuropa hatte Jan Hus (1372-1415) sich in Böhmen schon rund 100 Jahre früher als Prediger und Prager Universitätsgelehrter vehement für eine Reformbewegung auf biblischer Grundlage gegen Ämterkauf, Ablass und Konkubinat ausgesprochen. Er wurde dafür auf dem Konstanzer Konzil verbrannt. Die Hussiten als Anhänger seiner Lehre spalteten sich in die pragmatischen Utraquisten und die radikalen Taboriten. Hussitenkriege erschütterten von 1419 bis 1436 Böhmen und die angrenzenden Gebiete wie Schlesien, Lausitz, Brandenburg. Zunächst konnten sich daraufhin in Böhmen reformatorische Gruppen mit der damals üblichen Fremdbezeichnung Böhmische Brüder, bzw. der Eigenbezeichnung Unitas Fratrum (Brüder-Unität), behaupten.

Als dritte nach der mährischen und der böhmischen Unität wurde im Jahr 1557 die polnische Provinz auf der Synode der Kirche der Böhmischen Brüder in Sležany eingerichtet. Sie umfasste auch die Brüdergemeinden im Herzogtum Preußen und wirkte bis Ungarn. Unter der reichen, adligen Oberschicht fand diese protestantische Bewegung zahlreiche Anhänger, so dass den Consensus von Sandomir (1570) neben Lutheranern und Reformierten auch die Brüder in Polen unterzeichneten.

Freiheit der Religionswahl für Katholiken, Reformierte und Lutheraner

Alle drei Konfessionen wurden 1573 in den „Dissidentenfrieden“ der Konföderation von Warschau einbezogen, die für Katholiken, Reformierte, Lutheraner Freiheit der Religionswahl verbriefte. Um Petrus Gonesius war Raków 1565 bis 1658 ein Zentrum der Polnischen Brüder; hier entstand u.a. der radikal-reformatorisch, sozianistisch geprägte Rakauer Katechismus. Erst die Gegenreformation erzwang die Schließung der Rakauer Akademie; der Dreißigjährige Krieg hatte bereits etwas früher die Wirksamkeit der Brüder in Böhmen fast vollständig beendet. Sie durften sich nur noch heimlich versammeln; ihr Bischof Johann Amos Comenius musste 1628 seine Heimat verlassen und ging ins polnische Lissa ins Exil.

Wallenstein: Herzog Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein (1583-1634), Böhmischer Feldherr und Politiker, Bildarchiv Inv.-Nr. 80995
Wallenstein: Herzog Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein (1583-1634), Böhmischer Feldherr und Politiker, Bildarchiv Inv.-Nr. 80995

Die Brüdergemeine erlebte nach 1722 in Herrnhut unter Nikolaus Ludwig von Zinzendorf eine zweite Blüte, denn durch die Niederlage der Protestanten in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag (1620) hatte seither in Böhmen die staatlich protegierte Gegenreformation immer mehr Brüder zur Emigration gedrängt; viele protestantische Adlige verloren ihren Besitz und wurden durch katholische Familien ersetzt. Wallenstein (Albrecht von Waldstein, 1583-1634) war in dieser Zeit als böhmischer Adliger der herausragende kaiserlich-katholische Heerführer im Reich.

Auswirkungen von Luthers Ideen im nordöstlichen Europa

Anders als in Böhmen wirkten Luthers Ideen direkter und früher im nordöstlichen Europa. Im Deutschordensstaat, der Livländischen Konföderation und in Polen-Litauen kursierten schon ab 1520 lutherische Drucke. 1523 schrieb Luther selbst einen Brief an die Christen in den bedeutenden Hansestädten Riga, Reval und Dorpat. Früh wirkten dort Prediger in Luthers Sinn. Ordensmeister Wolter von Plettenberg erteilte Riga schon 1525 das Recht auf freie Religionsausübung. Wichtige Reformatoren in baltischen Städten wie Andreas Knöpken oder Nikolaus Glossenus kamen direkt aus dem engerem Umfeld Luthers.

Der livländische Zweig des Deutschen Ordens bekannte sich zwar erst unter dem letzten Deutschordensmeister Gotthard Kettler (1517-87) offen zum Luthertum, aber Albrecht von Preußen (Albrecht von Brandenburg-Ansbach, 1490-1568), letzter Hochmeister des Deutschen Ordens in Polen-Litauen, stand in regem Austausch mit Luther, bekannte sich zum Protestantismus, säkularisierte 1525 den Deutschordensstaat und wurde dadurch erster Herzog von Preußen.

Denkmal für Herzog Albrecht am Königsberger Schloss, der den Deutschordensstaat in das lutherische Herzogtum Preußen umwandelte, Bildarchiv Inv.-Nr. 181218
Denkmal für Herzog Albrecht am Königsberger Schloss, der den Deutschordensstaat in das lutherische Herzogtum Preußen umwandelte, Bildarchiv Inv.-Nr. 181218

Preußen wurde ein Herzogtum lutherischen Glaubens, das zur polnischen Krone gehörte. Getreu dem reformatorischen Bildungsideal gründete Albrecht 1544 die Universität Königsberg, als zweite protestantische Universität nach Marburg.

Das spätere Ostpreußen wurde so protestantisch geprägt, bedeutende Theologen waren hier tätig und verfassten Erinnerungen, Diakonissenhäuser übernahmen sozial-karitative Funktionen, Pastoren schilderten die russische Besetzung während des Ersten Weltkriegs, erlitten nach 1945 Flucht und Vertreibung, prägten von Anfang die Entstehung von Flüchtlingsseelsorge u.a. durch Druck und Verteilung von Heimatbriefen, Heimatnachrichten, Heimatzeitungen. Ähnlich protestantisch geprägt war unter den Ostgebieten des Deutschen Reiches auch Pommern, wo Johannes Bugenhagen (1485-1558), der in direktem Kontakt mit Luther und Melanchthon stand, wirkte und u.a. die erste Pommersche Kirchenordnung schuf. Später verstärkte die schwedische Besatzung protestantischen Einfluss.

Reformation in Schlesien

In Schlesien sammelten sich nach dem Tod des Spiritualisten Kaspar Schwen(c)kfeld von Ossig dessen Anhänger, nach ihm „Schwenckfeldianer“ benannt, zu freikirchlichen Gemeinden ab der Mitte des 16. Jahrhunderts in der Gegend zwischen Löwenberg, Goldberg und Haynau; in dieser Zeit wurde fast ganz Schlesien protestantisch. Doch dann verstärkte der habsburgische Landesherr die Gegenreformation. In der Nacht vom 14. zum 15. Januar 1726 flohen die Schwenckfeldianer vor dem zunehmenden Druck aus ihrer Heimat zumeist nach Görlitz und Umgebung. Viele gelangten von dort nach Herrnhut und Berthelsdorf zu Nikolaus Ludwig von Zinzendorf oder wanderten seit 1734 nach Pennsylvania aus.

In Schlesien Verbliebene schlossen sich nach der preußischen Besetzung 1741 meist der lutherischen Kirche an. In ihrer Heimatregion hatte zuvor die katholisch-habsburgische Herrschaft die architektonisch besonderen (z.B. turm- und glockenlosen) Bauten der protestantischen Friedenskirchen (Glogau, Schweidnitz, Jauer) im Zuge des Westfälischen Friedens gestattet.

Folgen der Reformation im Baltikum
Reformationskirche Mitau, Postkarte vor 1945, Inv.-Nr. 191100
Reformationskirche Mitau, Postkarte vor 1945, Inv.-Nr. 191100

Im Baltikum wurden in jenen Jahren als Folge der Reformation Estland und Lettland eher protestantisch geprägt, während Litauen durch die enge Verbindung mit Polen katholisch blieb. Johann Gottfried von Herder (1744-1803), lehrte und predigte u.a. deshalb als protestantischer Theologe von 1764-69 gerade in Riga. Alle drei baltischen Republiken partizipierten jedoch auch über ihren Glauben an den geistig-emanzipatorischen Neuerungsbestrebungen des westlichen Europas. Ihre Kultur unterschied sich signifikant von den orthodox geprägten Ostslaven. Auch darin mag ein Grund liegen, weshalb es nur den Balten 1989 bis 1991 gelang, friedlich ihre Unabhängigkeit wiederherzustellen. Zahlreiche evangelische Kirchenbauten zeugen noch heute von der Vergangenheit. Gerade in Lettland und Estland steht allerdings der Protestantismus heute vor ähnlichen Herausforderungen wie im aktuell mehrheitlich atheistisch geprägten Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern.

In Polen-Litauen bemühten sich anfangs die Jagiellonenkönige zwar um Eindämmung des Protestantismus, blieben aber (zumal im Vergleich zur Entwicklung im Deutschen Reich) tolerant und nahmen religiös Verfolgte auf. So konnte u.a. Johannes a Lasco (1499-1560), der mit Huldrych Zwingli und Erasmus von Rotterdam in Kontakt stand, für die Ausbreitung der Reformierten Konfession in Polen sorgen, nachdem Landgraf Philipp I. von Hessen, der Großmütige, (1504-1567) seine Rückkehr intensiv unterstützt hatte (Brief an Melanchthon (1556): „dass Herzog August von Sachsen …a Lasco zur Pflanzung und Endfaltung unser christlichen wahren Religion in Polen alle christliche und mögliche Hilfe geben sollte“). A Lasco bereitete in Polen den Boden für die Union der konfessionell zersplitterten Protestanten im Consensus von Sandomir und drei Jahre später für die Konföderation von Warschau (1573).

Insgesamt war im 16. Jahrhundert Kleinpolen um Krakau stark von der Reformation Zwinglis und Calvins beeinflusst, während das benachbarte Großpolen eher von lutherischen und böhmischen Positionen geprägt war. Sozial betrachtet zeigte sich speziell die adlige Oberschicht und das deutsche Stadtbürgertum aufgeschlossen für reformatorische Gedanken, ehe die einsetzende, jesuitisch geprägte Gegenreformation Polen insgesamt erfolgreich rekatholisierte. Dennoch gelang es der polnischen-litauischen Monarchie Exzesse, wie den Dreißigjährigen Krieg, zu vermeiden. So blieb dieser Raum, wie auch die preußisch beherrschten Gebiete wegen der dortigen staatlich geförderten Peuplierungs- und Meliorationspolitik tolerantes Einwanderungsgebiet für protestantische Minderheiten, wie die Hugenotten, Mennoniten (Weichselniederung) oder auch Salzburger (Ostpreußen).

Weiter südöstlich betrieb Johannes Honterus in Siebenbürgen (Kronstadt) eine Reformation Augsburgischer Konfession „von unten“ während Heinrich Bullinger in Ungarn die helvetische Glaubensrichtung propagierte. Später setzte sich gerade in Siebenbürgen der bis heute starke, antitrinitarisch geprägte Unitarismus durch.

Letztlich ist auch der durch das Konzil von Trient reformierte Katholizismus ohne Luther nicht zu denken. Auch die (jesuitische) Gegenreformation, die u.a. ebenfalls einen Schwerpunkt auf verbesserte Bildung setzte, ist nur im Blick auf die erfolgreiche Reformation zu verstehen.

Suchtipps im OPAC der Forschungsbibliothek

Zu all diesen Ereignissen und Entwicklungen liefert die Forschungsbibliothek reiches Material, das der Reformations-Forschung in Ostmitteleuropa dienen kann. Neben der Suche „über fast alles“ im elektronischen Katalog (OPAC) bzw. im Bibliographieportal zur Geschichte Ostmitteleuropas, das auch unselbstständige Literatur erfasst, und bei trunkierter Eingabe von „Reformation“ oder „Evangelisch“ jeweils Tausende Treffer ausweist, empfiehlt sich speziell die geführte Suche (https://www.herder-institut.de/servicebereiche/bibliothek/benutzung/literatursuche.html), die die inhaltliche Bestandserschließung online nutzbar macht. Nach Auswahl der je interessierenden größeren oder kleineren bzw. aktuellen oder historischen Region (z.B. Böhmen, Polen oder Estland, Ostpreußen oder Schlesien) kann „Evangelische Kirche/Reformation“ über XI G ausgewählt und per Mausklick eine in die Hunderte gehende Titelliste erzeugt werden.

Speziell suchen lässt sich auch je nach Region nach Evangelischen Gesangbüchern, Katechismen, liturgischen Texten, Predigten. So finden sich u.a. Mittheilungen aus der Correspondenz des Herzogs Albrecht von Preussen mit Martin Luther, Rara wie die „Confessio Bohemica Evangelica“ (1621), protestantische Flugschriften von Nathanael Dilger aus Danzig (1657) oder das „Pro Memoria der Bedraengten Evangelischen in Pohlen“ (1723), Informationen über lutherische Prediger in Ostpreußen seit Beginn der Reformation, Predigtsammlungen, Abschriften evangelischer Kirchenbücher, Zinzendorfs Schriften, eine sorbische Bibelübersetzung nach dem Text von Martin Luther (1742), Unterlagen zu Elbinger Schulen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, frühe Drucke von Herders Schriften aus dem 18. Jahrhundert oder Periodica wie Evangelische Gemeindeblätter (Ostpreußen, Galizien, Litauen), Gemeindeboten (Pommern), Kirchenblätter (Lettland, Polen), Volkskalender (Posen), Pfarr-Almanache oder Jahresberichte von Diakonissenanstalten bis zu so speziellen Titeln wie „Der Evangelische Religionslehrer in Polen: Vierteljahrsblatt für theologisch-pädagogische Arbeitsgemeinschaften (1934-36)“ oder „Pommersche Heimatkirche: evangelisches Kirchenblatt der Vertriebenen Pommerns (seit 1950)“.

Personenregister hilft bei der Recherche

Zusätzlich kann über das Zentrale Personenregister (ZPR; https://www.herder-institut.de/bestaende-digitale-angebote/datenbanken/zentrales-personenregister.html) nach herausragenden Persönlichkeiten, wie Martin Luther oder Johannes Bugenhagen, gesucht werden. Das ZPR verlinkt derzeit mit Literatur über diese Personen im Bibliotheksbestand, mit darüber hinausgehenden Aufsätzen aus dem Bibliografieportal sowie auf einen kleinen Teil des Presseausschnittarchivs mit Hinweisen auf den Umfang des dortigen Bestands. Interessanterweise ermöglicht die Volltextsuche über den mit der Gemeinsamen Normdatei (GND) verlinkten Datenbestand des ZPR auch z.B. die Suche nach Personen, die in Bezug zu Luther standen, oder nach „Reformation“, um alle Personen zu finden, in deren Datensatz dieser Begriff auftaucht.

Auch spezielle protestantische Buchbestände, wie der „Nachlass Gaigalaitis“ (gesammelt vom Politiker und Theologen Prof. Dr. Vilius Gaigalaitis, 1870-1945) mit umfangreicher theologischer Literatur sowie die Bibliotheken der (oftmals ebenfalls protestantisch geprägten) bis weit ins 19. Jahrhundert zurückgehenden Baltischen Ritterschaften (Deposita der Kurländischen, Livländischen, Estländischen und Oeselschen Ritterschaft) stehen der Forschung zur Verfügung.

Zwiastun Ewangelicki (poln-protest. ZZ)
Zwiastun Ewangelicki (polnisch-protestantische Zeitschrift)

Die Musiksammlung schließlich enthält manche Raritäten zur protestantischen Kirchenmusik, wie lettische, königlich-preußische oder schlesische Gesangbücher des 18. Jahrhunderts. Auch im Zeitungsarchiv finden sich Materialien zur Reformation. Protestantische Kirchenzeitungen wie Český zápas. Týdeník Církve československé husitské (1946-2001) oder Evangelický týdeník – Kostnické jiskry (1963-2001) erschienen schon unter kommunistischer Zensur (was spannende ideologiekritische Untersuchungen ermöglicht) und liegen seit 2006 als PDF-Dateien vor, die in den künftigen elektronischen Lesesaal überführt werden. Poseł ewangelicki = Evangelical herald / Polski Kościół Ewangelicko-Augsburski na Obczyźnie, London oder Evaņģēliski Luteriskās Svētā Pāvila Draudzes zin̦as (Perth, Western Australia) erschienen als Exilzeitungen. Im wieder freien Baltikum erschienen Eesti kirik: Eesti Evangeelse Luterliku Kiriku ajaleht (1995-2001) oder Swehtdeenas rihts: Latvijas Evangēliski Luteriskās Baznīcas laikraksts = Svētdienas rīts (1989-2001).

Zusätzlich zur Zeitungssammlung birgt das Presseausschnittarchiv unter P 7820 z.B. drei Ordner mit ostmitteleuropäischen Presseberichten über Luther seit den Feierlichkeiten im Jahr 1983 zum 500. Geburtstag. Außerdem finden sich je unter der Signatur 782 insgesamt 13 Ausschnittordner zur Evangelischen Kirche in Polen, Tschechoslowakei und den baltischen Staaten. Für Lettland und Estland gibt es zusätzlich je einen Ordner mit Hinweisen auf protestantisches Kirchenpersonal. Das Personen- und Ortsarchiv enthält weitere Ausschnitte zu Einzelpersönlichkeiten oder Orten mit protestantisch geprägten Bauwerken.

All dies kann und soll nur einen kleinen Einblick in die reichen Bestände der Forschungsbibliothek vermitteln. Weitere, umfassendere oder konkretere Fragestellungen lassen sich am besten in direktem Kontakt mit uns beantworten und bearbeiten.

Jan Lipinsky

Ein Gedanke zu „Martin Luther, die Reformation und ihre Auswirkungen auf Ostmitteleuropa

  • November 20, 2017 um 7:54 pm
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    Sehr Interessanter Artikel Dr Jan Lipinsky

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