Die „Schwarzen Häupter“ in Riga

Europas Kulturhauptstadt 2014

Die Dokumentesammlung, die seit den 1960er Jahren in Bremen beheimatete „Compagnie der Schwarzen Häupter aus Riga“ und das Lettische Nationalarchiv in Riga wirken in einem Verfilmungs- und Digitalisierungsprojekt zusammen. Die Finanzierung hat die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien (BKM) übernommen.

Gegenstand der Arbeiten ist ein bedeutender baltischer Archivbestand

Die Compagnie der Schwarzen Häupter Riga ging aus der 1353 genannten Gesellschaft junger, unverheirateter auswärtiger Kaufleute hervor. Ihr Wahrzeichen war ein der Heilige Mauritius. Später spielte die Compagnie im öffentlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Dünametropole eine führende Rolle. Zaren, Kaiser, Präsidenten waren im Schwarzhäupterhaus zu Gast, das auch Schauplatz historischer Ereignisse wurde – wie etwa die Unterzeichnung des Rigaer Vertrages im August 1920 zwischen Lettland und Sowjetrußland, in dem diese die Unabhängigkeit und die territoriale Integrität Lettlands anerkannte und den Kriegszustand beendete.

Das Haus der Schwarzhäupter war eines der markantesten historischen Gebäude in der Altstadt – im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1997/1998 wieder aufgebaut. Der älteste Teil des Archivs der Compagnie gelangte im Verlauf der Umsiedlung der Deutschbalten 1940 nach Deutschland und 1952 ins Archiv im Herder-Institut. Auf Grund eines Schiedsspruchs wurden die Marburger Teile bis 2006 schrittweise der Compagnie in Bremen übergeben. In Marburg blieben Mikrofilme dieses Bestands. Der übrige Teil, der 1940 nicht nach Deutschland ausgeführt wurde, befindet sich im Historischen Staatsarchiv Lettlands (LVVA) in Riga.

Vertrag zwischen der Compagnie der Schwarzen Häupter Riga und der Großen Gilde Riga, vom 16. November 1637
Vertrag zwischen der Compagnie der Schwarzen Häupter Riga und der Großen Gilde Riga, vom 16. November 1637, Dokumentesammlung Herder-Institut, Signatur: DSHI 120 Schwarzhäupter, Uk. 10 (Original im Archiv der Compagnie in Bremen)

Originalarchivstücke in Bremen, Archivmikrofilme in Marburg

Die Compagnie in Bremen verfügt heute über die Originalarchivstücke, die 1940 nach Deutschland ausgeführt wurden. Es handelt sich dabei um 22 Amtsbücher sowie 19 Urkunden der alten Compagnie. Das Herder-Institut hat von den Archivmikrofilmen Papierrückvergrößerungen angefertigt und ist seit 1952 mit diesem Archivbestand eng verbunden. Es unterhält Kooperationsbeziehungen zum Historischen Staatsarchiv Lettlands und wurde frühzeitig auf den in Lettland befindlichen Teil des Archivs der Compagnie aufmerksam. Die Tatsache, daß das Archiv 1940 geteilt wurde, ließ das gemeinsame deutsch-lettische Interesse daran reifen, die in beiden Ländern befindlichen Teile „virtuell“ zusammenzuführen und gemeinsam der Forschung zugänglich zu machen in einem online recherchierbaren Internet-Archivportal.

Kooperationsprojekt mit dem Historischen Staatsarchiv Lettlands

Die Überlegungen der Compagnie in Bremen und des Herder-Instituts stießen bei den lettischen Kollegen auf großes Interesse, bieten diese dem lettischen Archiv doch die Möglichkeit, einen wertvollen eigenen Archivbestand in die Sicherungsverfilmung einzubeziehen und, darauf gestützt, ein Kooperationsprojekt mit dem Herder-Institut zu realisieren. Ziel ist dabei vor allem, die gute Zusammenarbeit mit dem Lettischen Nationalarchiv langfristig und „nachhaltig“ zu institutionalisieren.

Konkret geht es bei der Bewahrung und Pflege des kulturellen Erbes um die Schonung der Originale und um die Möglichkeit, den Zugang zu diesem kulturellen Erbe unabhängig vom Ort des Bearbeitens leicht und rasch zu gewähren. Das in Frage kommende Archivgut wird mikroverfilmt, digitalisiert und gemeinsam im Internet zur Verfügung gestellt.

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster

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