Andrej Savin: Ethnisierung des Stalinismus? Die „nationalen“ und „Kulaken“-Operationen des NKVD: Ein Vergleich

„UdSSR – Sowjetische Weltrepublik“, Plakat von Rozalia Rabinovich, 1930er Jahre (Privatsammlung des Autors)

In den letzten Jahren genoss die These der Ethnisierung des Stalinismus eine immer größere Verbreitung in der Historiografie. Ihre Anhänger sind der Auffassung, dass die Bolschewiki die Vertreter der fremden „Ausbeuterklassen“ als Hauptfeinde angesehen hätten, in den 1930er und besonders den 1940er Jahren dagegen seien es die nationalen Minderheiten und „feindlichen“ ethnischen Gruppen gewesen, die zur Zielscheibe des Stalinschen Terrors geworden seien. Anhand seiner Forschung beweist der russische Historiker Andrej Savin, dass das bestimmende Moment für das Schicksal der Opfer der „nationalen“ Operationen nicht das so genannte objektive Merkmal ihrer Zugehörigkeit zu einer „feindlichen“ nationalen Minderheit war, sondern ihr antisowjetisches Verhalten in der Vergangenheit und der Gegenwart.

Einleitende Bemerkungen von Victor Dönninghaus und Beitrag von Andrej Savin