Bestände der Kartensammlung

Die Bestände der Kartensammlung stammen aus dem 16. bis 21. Jahrhundert und bieten geographische und topographische Informationen zum östlichen Mitteleuropa und den Anschlussregionen. Weitere Karten finden Sie auch in den rund 500 Atlanten und sonstigen Sammlungsbeständen der Bibliothek.

Topographische Kartenwerke

Vergrößerter, bearbeiteter Ausschnitt einer topographischen Karte
Generalstabskarte der Sowjetischen Armee, Maßstab 1:50.000, Blatt N-34-55-A Gvardejsk, 1986

Die verfügbaren topographischen Kartenwerke und Übersichtskarten (etwa 34.000 Kartenblätter) liegen im Maßstab 1:10.000 bis 1:2.500.000 vor und geben insbesondere die Siedlungen, Verkehrswege und -objekte, Grenzen, Gewässer, Bodenbedeckung und Reliefformen der dargestellten Landschaft wieder. Von besonderer Bedeutung sind die modernen Landesaufnahmen der historischen Länder des östlichen Mitteleuropa und die aktuellen, amtlichen topographischen Kartenwerke der Staaten Mittel- und Osteuropas, die erst seit den politischen Veränderungen in 1990er Jahren öffentlich zugänglich sind. Darüber hinaus werden auch Nord-, Ost-, Südost-, Süd- und Teile Westeuropas sowie Asiens zumindest in geringer Bestandsdichte abgedeckt.

Zu den topographischen Kartenwerken sind im Onlinekatalog interaktive Kartenindizes verfügbar. Außerdem wird eine geographische Kartenblattsuche angeboten.

Thematische Karten

Verkleinerte Ansicht einer thematischen Karte
Die Verteilung der Konfessionen in Galizien 1840

Die thematischen Karten (circa 3.500 Titel) vermitteln Informationen über abstrakte, raumbezogene Sachverhalte vor allem zu folgenden Themenfeldern des östlichen Mitteleuropa: politische Geschichte, Stadtgeschichte, Kunst-, Kirchen-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Bevölkerung, Geologie und allgemeine Landeskunde.

Der Gesamtbestand an thematischen Karten ist über den OPAC recherchierbar. Zudem stehen eigene Verzeichnisse von Stadtplänen regionaler Metropolen des östlichen Mitteleuropa sowie ein gedrucktes Bestandsverzeichnis der Wandkarten zur Verfügung. 71 der 104 großformatigen Kartendarstellungen stammen aus der Zeit nach 1945. Die aus kartographiehistorischer Sicht interessanteste ist eine Kabinettskarte des russischen Gouvernements Wiburg vom Ende des 18. Jahrhunderts.

Altkarten

Vergrößerter Ausschnitt einer Altkarte
Schlesienkarte von Abraham Ortelius, aus: Theatrum Orbis Terrarum, Antwerpen 1570

Mit dem Bestand von etwa 1.300 Altkarten (bis 1850) lassen sich die Hauptlinien der regional unterschiedlichen Entwicklung der Kartographie des östlichen Mitteleuropas nachzeichnen. Die ältesten Karten stammen von Sebastian Münster (um 1545) und aus den Atlanten von Abraham Ortelius (um 1570) sowie Gerard Mercator (um 1585). Bereits in dieser Zeit erschienen erste Regionalkarten aller Länder des östlichen Mitteleuropa, wobei für die damaligen Regenten die geographische Kenntnis des eigenen Territoriums ebenso von Bedeutung war wie die räumliche Veranschaulichung fremder Länder. Diese Karten fanden in den Atlanten der großen Verleger des 17. Jahrhunderts weite Verbreitung. Dieser Zeit der frühen Atlas- und Regionalkartographie folgten seit der Mitte des 18. Jahrhunderts die Kartenwerke der topographischen Landesaufnahmen, die – entstanden aus den Bedürfnissen nach einem Hilfsmittel für die Verwaltung – aufgrund ihrer aussagekräftigen Legenden heute vor allem für kulturhistorische Arbeiten von Interesse sind.

Einen besonders wertvollen Bestand stellen die etwa 100 Altkarten (16.–18. Jh.) des Litauen-Archivs Reklaitis dar. Sie dokumentieren das Gebiet des seit der Union von 1386 mit dem Königreich Polen verbundenen Großfürstentums Litauen bis zu den Teilungen des Doppelreichs am Ende des 18. Jahrhunderts, mit denen das gesamte Großfürstentum Litauen dem Russischen Reich einverleibt worden war.

Die Titel der Altkarten werden in die IKAR-Altkartendatenbank des Gemeinsamen Bibliotheksverbunds (GBV) katalogisiert.

Senkrechtluftbilder

Vergrößerter Ausschnitt eines Senkrechtluftbildes
Senkrechtluftaufnahme von Glogau, 07.02.1945

Eine Spezialsammlung stellen die 6.300 Senkrechtluftaufnahmen Ostmitteleuropas dar, die von der deutschen Luftwaffe zwischen 1942 und 1945 in Bildflügen über weiten Regionen Brandenburgs, Pommerns, Ostpreußens und Schlesiens sowie in den Woiwodschaften Posen (poznańskie), Pommerellen (pomorskie) und Bialystok (białostockie) gemacht wurden. Diese Unikate bilden im heute vereinten Europa eine wertvolle Quelle vor allem für kulturhistorische Forschungen über Polen und das Kaliningrader Gebiet. Darüber hinaus werden sie insbesondere für stadt- und siedlungsgeschichtliche Fragestellungen sowie für kommunale Aufgaben der Stadt-, Raum- und Umweltplanung herangezogen.

Die Luftbildsammlung ist durch ein gedrucktes Ortsregister und einen umfassenden Bestandskatalog erschlossen. Im Bildkatalog können zudem die Senkrechtluftaufnahmen größerer Ortschaften recherchiert und Vorschaubilder aufgerufen werden.

Karte der quantitativen Verteilung der Senkrechtluftbilder (Klick für Großformat)
Karte der quantitativen Verteilung der Senkrechtluftbilder

Die regionale Verteilung der Senkrechtluftbilder:

1939/2005 Polen Russland Deutschland Gesamt
Brandenburg 550 - 195 745
Ostpreußen 693 595 - 1.288
Polen 345 - - 345
Pommern 557 - - 557
Pr. Sachsen - - 115 115
Schlesien 3.250 - - 3.250
Gesamt 5.395 595 310 6.300

 

Das Bildarchiv hält mit seiner Sammlung Hansa-Luftbild zudem 4.500 Schrägluftbilder der historischen Ostgebiete des Deutschen Reiches aus ziviler gewerblicher Produktion der 1920er/30er Jahre für Sie bereit.