Sommerakademie 2012
Migration und Integration in europäischen Gesellschaften des 19. und 20. Jahrhunderts
Internationale und interdisziplinäre Sommerakademie des Herder-Instituts,
Marburg, 19.-25. August 2012
Migrationen – ausgelöst durch Kriege, aber auch durch wirtschaftliche Not und politische Entscheidungen – prägten tief die gesellschaftliche, ökonomische und politische Entwicklung zahlreicher (ostmittel-)europäischer Staaten insbesondere im 19. und 20. Jahrhundert. Beispielhaft wären die Migration von Juden nach den Pogromen im Russländischen Reich im ausgehenden 19. Jahrhundert, die Arbeitsmigrationen aus Ostpreußen ins Ruhrgebiet, die in Folge des Ersten und vor allem des Zweiten Weltkriegs ausgelösten Umsiedlungen, Flucht bzw. Vertreibung zu nennen. Die meist wellenartig stattfindenden Migrationen beeinflussten nicht nur die Identität der Migranten, sondern – in unterschiedlichem Maße – auch die aufnehmenden Gesellschaften, die sich mit den Migranten auseinandersetzen mussten, und ebenso das kollektive Gedächtnis ihrer sozialen Großgruppe.
Die Sommerakademie des Herder-Instituts setzt sich zum Ziel, die aktuellen Forschungsparadigmen zur Migrationsforschung zu hinterfragen. Im Zentrum der Überlegungen stehen sowohl Fragen nach Auslösern von Migrationen, nach der Rolle und Bedeutung der nationalen, konfessionellen, sprachlichen Erfahrung von Migration und Integration (oder Versuche von Integration) für Individuen und Gesellschaften gleichermaßen.
Wir laden Projekte ein, die eine theoretische oder methodische Annäherung an die historische Migrationsforschung leisten und Migrationen und in deren Folge Integration(sproblematiken) erforschen, wie auch Mikro- und Fallstudien beispielsweise regionaler, lokaler oder biografischer Art. Die konkrete räumliche, thematische sowie zeitliche Schwerpunktsetzung der einzelnen Projekte wird bewusst offen gelassen, wobei jedoch der Fokus der Sommerakademie insgesamt auf die verschiedenen Migrationen Ostmitteleuropas im 19. und 20. Jahrhundert gelegt wird. Willkommen sind daher Beiträge sowohl zu den ostmitteleuropäischen als auch zu anderen europäischen wie auch außereuropäischen Regionen sowie zu früheren Epochen, so dass wir eine epochal und regional ausdifferenzierte und zugleich vergleichende Diskussion führen können.
Die Sommerakademie ist interdisziplinär ausgerichtet, hat aber einen Schwerpunkt in den Kultur- und Geschichtswissenschaften. Die Sommerakademie wird Kursarbeit an theoretischen wie auch empirischen Texten (ein Reader wird ca. 4 Wochen vor Beginn der Sommerakademie verschickt) sowie die Vorstellung eigener Projekte der Teilnehmenden beinhalten. Ergänzend werden renommierte und einschlägig ausgewiesene Wissenschaftler/innen den Stand der Forschung sowie verschiedene Forschungsansätze vertiefend durch längere Impulsvorträge reflektieren.
Es stehen insgesamt bis zu 20 Plätze für qualifizierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler (vor allem Doktorandinnen und Doktoranden) aus dem In- und Ausland zur Verfügung, wobei etwa die Hälfte der Plätze an Personen aus dem Ausland vergeben wird. Die Reise- und Übernachtungskosten sowie ein Teil der Verpflegung werden vom Herder-Institut übernommen. Sollten Teilnehmerinnen und Teilnehmer von außerhalb Europas anreisen, bitten wir um Verständnis, dass eventuell nur ein Teil der Reisekosten übernommen werden kann.
Vorträge können in Deutsch oder Englisch gehalten, beide Sprachen sollten verstanden werden. Vor Beginn der Sommerakademie wird allen Teilnehmern zur Vorbereitung ein Reader zugänglich gemacht. Es wird erwartet, dass die Teilnehmer an der gesamten Sommerakademie aktiv teilnehmen [Anreise am 19.8.2012, Tagungsbeginn am 20.8.2012 (9 Uhr), Abreise am 25.8.2012 (nachmittags)].
Leitung der Sommerakademie:
Prof. Dr. Christian Kleinschmidt (Philipps-Universität Marburg): Studium der Geschichte, Sozialwissenschaften und Philosophie in Bochum (1. Staatsexamen 1988); Promotion an der Ruhr-Universität Bochum; Habilitation 2000 an der Ruhr-Universität Bochum; Lehrbeauftragter an der WHU in Vallendar; Lehrstuhlvertretungen in Münster, Mainz und Dortmund, 2007-2009 Professur für Neuere Geschichte mit dem Schwerpunkt Zeitgeschichte an der Universität Paderborn; seit 2009 Professur für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Philipps-Universität Marburg. Aktuelles Projekt: Deutsch-türkische Wirtschaftsbeziehungen 1945-1980; Forschungsschwerpunkte: Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte; Marketinggeschichte, Konsumgeschichte
Dr. Heidi Hein-Kircher (Herder-Institut): 1989-1994, bzw. 1995-2000 Studium und Promotionsstudium der Osteuropäischen und Neueren Geschichte, der Politikwissenschaft und Jiddistik an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf; seit 2003 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Herder-Institut Marburg, seit 2009 dort Abteilungsleiterin des Wissenschaftsforums. Aktuelles Projekt „Kommunale Verwaltung und nationale Bewegung in einer Vielvölkerstadt. Lemberg im 19. Jahrhundert“; ein Forschungsschwerpunkt liegt auf Minderheitenfragen Ostmitteleuropas.
Für Fragen steht Ihnen Dr. Heidi Hein-Kircher (heidi.hein-kircher@herder-institut.de oder forum@herder-institut.de) gerne zur Verfügung.
Das Programm der Sommerakademie wird über die einschlägigen Foren bekanntgeben. Bewerbungen mit Abstract (1-2 Seiten möglichst in elektronischer Form) und Lebenslauf werden bis zum 30.04.2012 erbeten an:
Dr. Heidi Hein-Kircher
Herder-Institut e.V.
Gisonenweg 5-7
35037 Marburg
Tel. +49 6421 184-110
Fax: +49 6421 184-139
E-Mail: forum@herder-institut.de


