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Sommerakademie 2009: Imperiale und postimperiale Biographien im östlichen Europa in der Neuzeit

Internationale und interdisziplinäre Sommerakademie des Herder-Instituts Marburg, 20.-26.9.2009

In den zurückliegenden zwei Jahrzehnten hat die Imperiumsforschung eine beispiellose Konjunktur erlebt. Dies hängt nicht nur mit politischen Referenzentwicklungen (Zerfall der Sowjetunion, Globalisierungsdynamik) und aktuellen Forschungsfeldern zusammen (Imperienvergleich, post-colonial studies, imperiale kognitive Kartographien, Globalgeschichte der Imperien), sondern auch mit einer intensiven Diskussion über eine ganze Reihe von Themen, die sich unter dem Stichwort imperialer Herrschaft subsumieren lassen:
der Umgang imperialer politischer Systeme mit Multiethnizität und der Vielfalt an Regionen, Religionen und Lebensformen, das Verhältnis der Imperien zu konkurrierenden Nationsbildungsprojekten, imperiale Integrationsstrategien, Elitekulturen und Repräsentationen sowie die Übergänge von imperialen Formen der Herrschaft zu nationalen politischen Systemen.

Vor diesem Hintergrund verspricht der biographische Zugang einen erheblichen Mehrwert für die vergleichende Betrachtung von Imperien im östlichen Europa. Biographien sind Sonden, die über die untersuchten Lebensläufe und Migrationsmuster, Bildungs- und Karrierewege, Sozialisationen und Widerstandshaltungen imperiale Vergangenheiten nicht nur plastischer werden lassen. Neue Ebenen des Vergleichs wie auch der Verflechtung eröffnen sich gerade aus individuellen und gruppenbezogenen wie auch diachronen und translokalen Perspektiven auf die Geschichten der Imperien.

Im Rahmen der Sommerakademie wird das Betrachtungsfeld nicht nur durch den Blick auf die vier „klassischen“ Beispiele der vergleichenden Imperienforschung im östlichen Europa (Russländisches Reich, Osmanisches Reich, Habsburgermonarchie, Sowjetunion) und die nachfolgenden Nationalstaaten definiert. Fokussiert werden soll zum einen auf den Vergleich individuell- und kollektivbiographischer Zugänge, zum anderen komparatistisch sowohl auf Personen und Gruppen, die als ein Teil des imperialen Herrschafts- und Verwaltungsapparats gelten können, als auch auf solche, die in Auseinandersetzung mit imperialer Macht alternative, teils radikale Entwürfe verfolgten. Entsprechend geraten auch Neucodierungen von Konzepten, Identitäten, Rollenerwartungen, Loyalitäten oder Geschlechterverhältnissen in den Blick.

Leitung der Sommerakademie:

  • PD Dr. Martin Aust, Historisches Seminar Christian-Albrechts-Universität Kiel. Aktuelles Projekt: Russland in der Welt. Globale Verknüpfungen von Recht, Ökonomie und Kultur im Spiegel imperialer Biographien des späten Zarenreiches (Fedor Martens, Sergej Witte und Vasilij Vereščagin).
  • Dr. Heidi Hein-Kircher, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Herder-Institut. Aktuelles Projekt: Lemberg im 19. Jahrhundert; ein Forschungsschwerpunkt ist die Biografie Józef Piłsudskis.


Programm

Programm (Stand: 18.09.2009)

 

Teilnehmer und Teilnahmebedingungen

Die Sommerakademie des Herder-Instituts wendet sich in an Doktorandinnen und Doktoranden, die sich mit der imperialen Geschichte des östlichen Europas in ihrer ganzen thematischen Vielfalt von Politik, Recht, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Religion, Alltag, Migration und Geschlechterrollen vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart beschäftigen, und dabei ihrer Arbeit biographische Perspektiven zugrundelegen.

Es sollen einerseits Projekte präsentiert werden, die zwar über den zeitlichen und räumlichen Rahmen der Sommerakademie hinausgehen, aber für die leitende Fragestellung theoretisch oder methodisch aufschlussreich sind, andererseits auch individuelle, kollektivbiographische oder Fallstudien, die sich auf politische Systeme oder Konzepte beziehen. Die Sommerakademie wird Kursarbeit an theoretischen wie auch empirischen Texten sowie die Vorstellung eigener Projekte der Teilnehmer beinhalten. Ergänzend treten Vorträge renommierter Wissenschaftler hinzu. Hieraus ergibt sich die Chance zum vertieften Austausch über die theoretischen, methodischen und gegenstandsbezogenen Dimensionen der historischen Forschungen zu den Imperien. Verbunden wird dies mit einem Rahmenprogramm (z.B. Filmbiographie).

Es stehen insgesamt 20 Plätze für qualifizierte Nachwuchswissenschaftler/innen (vor allem Doktorand/innen) aus dem In- und Ausland zur Verfügung, wobei mindestens die Hälfte der Plätze an Teilnehmer/innen aus dem Ausland vergeben wird. Die Reise- und Übernachtungskosten sowie einen Teil der Verpflegung werden vom Herder-Institut übernommen. Sollten Teilnehmer/innen von außerhalb Europas anreisen, bitten wir um Verständnis, dass leider nur ein Teil der Reisekosten übernommen werden kann.

Tagungssprache ist Deutsch und Englisch, soweit einzelne Vorträge in englischer Sprache gehalten werden. Vor Beginn der Sommerakademie wird allen Teilnehmern zur Vorbereitung ein Reader mit den Quellen und Texten zugesandt, die der Kursarbeit zugrundegelegt werden. Es wird erwartet, dass die Teilnehmer an der gesamten Sommerakademie teilnehmen. Anreise am 20.9.2009 bis 16 Uhr, Abreise am 26.9. ab ca. 14 Uhr.

Dr. Heidi Hein-Kircher
Herder-Institut e.V.   
Gisonenweg 5-7
35037 Marburg
Tel: +49 6421 184-110
Fax: +49 6421 184-139
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