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Paul Campe zum 50. Todestag
Am 23. Februar 1960 starb in Bonn der aus Lettland stammende Architekt und Architekturhistoriker Paul Campe. Er war 1885 im livländischen Kreis Walk (lett. Valka, estn. Valga) geboren. Er besuchte die Realschule zu Riga und studierte 1905-1906 Architektur zunächst am Polytechnicum zu Riga, 1906-1908 vier Semester an der TH Darmstadt. Nach Riga zurückgekehrt, machte er 1910 dort seinen Abschluß als Ingenieur und Architekt und arbeitete zunächst in einem Architekturbüro in Riga. Nach Ableistung des Militärdienstes lebte und arbeitete er 1912 in Libau, wo er im Hause der berühmten Familie Katterfeld wohnte. Später wurde Campe Assistent, 1914 Dozent in der Abteilung Architektur des Polytechnicums. Nach dem Einsatz im Ersten Weltkrieg und in der Baltischen Landeswehr wurde Campe 1919 Dozent an der Fakultät für Architektur der aus dem Polytechnicum hervorgegangenen Lettländischen Universität Riga. 1937 erhielt er dort eine ordentliche Professur.
Zunächst gab es für ihn keine Veranlassung, an der Umsiedlung der Deutschbalten im Herbst 1939 teilzunehmen. Erst nach den Erfahrungen unter der ersten sowjetischen Okkupation seit Sommer 1940 und dem instinktiven Gefühl, selbst auf das äußerste gefährdet zu sein, schloß er sich der sog. Nachumsiedlung der noch verbliebenen Deutschen im Frühjahr 1941 an und kam so nach Deutschland.
Von Dezember 1941 arbeitete er bis 1950 im Amte des Provinzialkonservators in Bonn. Nach seiner Pensionierung widmete er sich insbesondere seinen Arbeiten zur Architekturgeschichte Lettlands und stand in enger Verbindung zum Baltischen Forschungsinstitut, das 1951 an der Universität Bonn gegründet wurde. Seit 1955 gehörte er ihm als korrespondierendes Mitglied an. 1959 berief ihn die Baltische Historische Kommission zu ihrem korrespondierenden Mitglied.
Von 1922-1960 veröffentlichte Paul Campe zahlreiche Publikationen vorwiegend zur Architektur- und Baugeschichte jener historischen Territorien, die seit 1918/19 den neuen Staat Lettland bildeten.
Die kunst- und architekturgeschichtliche Sammlung (heute im Bildarchiv des Herder-Instituts) und der schriftliche Nachlaß (in der Dokumentesammlung, Archivsign.: DSHI 100 Campe) gelangten 1960 nach Marburg. Er umfaßt insgesamt 59 Archivalieneinheiten von 1889-1959.




