Das Uphagenhaus in Danzig/Gdańsk und seine Rekonstruktion
Das nach seinem Besitzer aus dem 18. Jahrhundert benannte, durch Kriegseinwirkung 1945 zerstörte und heute wiederaufgebaute Bürgerhaus gehört zu den bedeutendsten Zeugnissen bürgerlicher Wohnkultur in Danzig. Es liegt an einer der prachtvollsten Straßen der Danziger Rechtstadt, der Langgasse, und steht seit fast 100 Jahren als Museum den Besuchern offen. Zur Rekonstruktion insbesondere seiner Innenräume samt Ausstattung dienten historische Fotos aus dem Bestand des Bildarchivs.
Das Gebäude in der Langgasse/ul. Długa 12 wurde 1775 von dem Danziger Kaufmann und Ratsherrn Johann Uphagen erworben und in den darauffolgenden Jahren von Johann Benjamin Dreyer nach den Wünschen seines neuen Besitzers umgebaut. Durch eine glückliche Fügung behielt das Gebäude bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts die architektonische Form und seine originale Raumausstattung bei. Es besaß ein für das alte Danzig einst so charakteristisches Dielengeschoß mit einer frei einmündenden Treppe und der dazugehörigen "Hangelstube".
Grundriss, Raumaufteilung und sogar die Raumausstattung waren im Uphagenhaus weitestgehend seit dem 18. Jahrhundert unverändert geblieben, als das Gebäude ab 1910 in ein Museum umgewandelt wurde. Die einzelnen Räume ließ der Stadtmagistrat renovieren, wobei aber die noch teilweise erhaltene originale Wandbemalung restauriert und beibehalten wurde. Am Ende des Zweiten Weltkriegs weitestgehend zerstört, wurde das Gebäude ab den 50er Jahren nach alten Plänen und Fotografien über mehrere Jahrzehnte wiederaufgebaut und 1998 als Museum für den Besucherverkehr eröffnet. Zahlreiche Objekte der Innenausstattung hatten durch vorherige Auslagerung die Kriegszerstörungen relativ unversehrt überstanden. Nach Fertigstellung der Bauarbeiten konnten deshalb einige der Zimmer mit ihrem originalen Mobiliar ausgestattet werden.
Fehlende Elemente die bisher noch nicht gefunden wurden und als verschollen gelten, werden mit großem Aufwand in den Danziger Werkstätten von Restauratoren detailgetreu wiederhergestellt. Allerdings ist die Museumsleitung weiterhin bemüht, die noch vermißten Teile des originalen Inventars aufzuspüren, um sie in den neuen Museumsräumen an den ursprünglichen Plätzen den Besuchern des Uphagenhauses zu präsentieren.
Für die Danziger Denkmalpflege und das Museum Uphagenhaus waren die zahlreichen Fotografien aus der Sammlung Drost im Bildarchiv des Herder-Instituts von großer Bedeutung. Die Aufnahmen aus den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts bestechen noch heute durch ihre hohe Qualität. Sie wurden auch deshalb für den Wiederaufbau herangezogen und dienten den Restauratoren als Orientierungshilfe für die Ausstattung der Innenräume. Anhand der sehr genauen Fotografien war es möglich, in den neuen Zimmern mit der teilweise originalen Ausstattung an den ursprünglichen Zustand des Uphagenhauses anzuknüpfen.
Literaturauswahl:
- Hauke, Karl: Das Bürgerhaus in Ost- und Westpreussen. Tübingen 1967
- Osiński, M.: Dom Uphagena w Gdańsku. In: Architektura perennis. Studia i materiały do teorii i historii urbanistyki IX, 1971, S. 111-125
- Szymańska, Ewa: Chancen der Denkmalpflege in Danzig - Die Restaurierung des Uphagenhauses. In: Mare Balticum. Lübeck 1994, S. 80-86






