Der Wiederaufbau Warschaus - Altstadt und Königsschloss
Eine Ausstellung des polnischen Verbandes der Denkmalpfleger in Zusammenarbeit mit dem Königsschloss in Warschau und den Polnischen Werkstätten für Denkmalpflege (PKZ)
präsentiert in Kooperation mit dem Herder-Institut in Marburg
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs und vor allem als Reaktion auf den Warschauer Aufstand vom August/September 1944 erfolgte die weitgehende Zerstörung der polnischen Hauptstadt. Die flächendeckende Auslöschung des Stadtzentrums und insbesondere der wichtigsten Baudenkmäler war ein Schlag von gesellschaftlicher und politischer Tragweite. Unter schwierigen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen erfolgte der Wiederaufbau von Altstadt (seit 1948) und Königsschloss (in den 1970er Jahren), was als größte Leistung der polnischen Denkmalpflege gilt und mit der Aufnahme in die Liste des UNESCO-Welterbes 1980 seine Anerkennung fand.
Die 1945 von Prof. Jan Zachwatowicz, dem ehemaligen Generalkonservator Polens, getroffene Entscheidung zur Rekonstruktion stellte einen Wendepunkt in der Theorie der Denkmalpflege dar. Sie hatte Auswirkung auf das denkmalpflegerische Milieu in Polen und die gesellschaftliche Erwartung im Umgang mit dem nationalen Kulturerbe. Aus politischen Gründen musste allerdings der Wiederaufbau des Königsschlosses auf den geeigneten Moment warten. Für die Ausführung beider konservatorischer Maßnahmen zeichnen die Polnischen Werkstätten für Denkmalpflege verantwortlich.
Diese Rekonstruktionsprojekte sind nicht nur unter denkmalpflegerischen Aspekten von Bedeutung, sondern auch unter gesellschaftlichen: Altstadt und Königsschloss wurden zu einem kulturellen und musealen Zentrum und dienen bis heute der Edukation einer breiten Öffentlichkeit. Die hohe Qualität der baudenkmalpflegerischen Arbeiten und die im Laufe der Jahre entstandene Patina erwecken inzwischen für die Mehrzahl der Besucher, insbesondere für die jüngere Generation, den Eindruck eines historischen Ensembles. Dies alles schafft eine ganz besondere Lebensqualität für Einwohner wie Touristen, die von den damaligen Akteuren kaum erwartet werden konnte.
Die Ausstellung führt dieses Phänomen auf 40 Tafeln vor Augen und bietet damit einen Beitrag zur aktuellen Diskussion über die Rekonstruktion von baukünstlerisch wie gesellschaftlich bedeutenden historischen Bauten und Ensembles. Die Archivbilder des Wiederaufbaus sowie Kopien architektonischer und denkmalpflegerischer Pläne werden ergänzt von Ansichten aus dem Alltagsleben der Altstadtbewohner und von politischen Ereignissen, die dort seit dem Zweiten Weltkrieg stattgefunden haben.
Ein Katalog zur Ausstellung erscheint voraussichtlich im Herbst 2006.
Partner: Stowarzyszenie Konserwatorów Zabytków (www.skz.pl)
Zamek Królewski w Warszawie (www.zamek-krolewski.com.pl)
Polskie Pracownie Konserwacji Zabytków S.A. (www.ppkz.pl)
Sponsoren:
Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit / Fundacja Współpracy Polsko-Niemieckiej
Ministerstwo Kultury i Dziedzictwa Narodowego
Instytut Adama Mickiewicza



