Stimmungsbild Bildarchiv

Termine dieser Ausstellung

  • Herder-Institut, Marburg
    22.04.2010 - 30.09.2010

60 Jahre - 60 Momente Herder-Institut

60 Jahre Herder-Institut lassen zurückblicken auf 60 Jahre Instituts-Geschichte. In der Ausstellung "60 Momente Herder-Institut" blicken die Mitarbeiter des Herder-Instituts auf den Ort, die Gebäude des Herder-Instituts zurück, auf Personen, die für die letzten sechs Jahrzehnte wichtig waren, auf Veranstaltungen, die Forscher jeden Alters in Marburg zusammenführten und heute noch führen.
In gleicher Weise wird ein Blick auf die aktuellen Tätigkeiten des Instituts, nicht zuletzt auf die stetig wachsenden und jährlich von vielen Tausend Personen genutzten Sammlungen des Herder-Instituts geworfen.
Jeder der 60 Momente wurde von Mitarbeitern des Instituts selbständig gestaltet. Sprache, Form und Betrachtungsweisen können also variieren – es sollen Momentaufnahmen sein, die für den "Moment" des 60. Jubiläums stehen. Doch stellen sie auch die Geschichte des Instituts und seiner vielfältigen Arbeitsbereiche dar, genauso, wie sie auch auf die lebendige Tätigkeit des Instituts auch in der Zukunft aufmerksam machen.
Die Illustrationen stammen aus der historischen Fotosammlung des Instituts in der Dokumentesammlung, die aktuellen Fotos von den Fotografen des Instituts, andere kommen aus den einzelnen Sammlungen. Stammen Fotos von dritter Seite, sind sie entsprechend gekennzeichnet.
Die Ausstellung wird im Herder-Institut gezeigt. Sie als Betrachter sind also "vor Ort". Wenn Sie Weiteres zu einem der Momente erfahren möchten, wenn Sie Fragen haben oder wenn Sie einfach das Institut besuchen möchten, stehen Ihnen die Mitarbeiter des Hauses zur Verfügung.

 

Das Herder-Institut - Ein Erinnerungsspeicher Ostmitteleuropas auf dem Marburger Schlossberg

Vor 60 Jahren wurde das Herder-Institut auf Initiative des Johann-Gottfried-Herder-Forschungsrates gegründet – einer Vereinigung von Wissenschaftlern, die durch Herkunft und Forschungsinteresse den ehemaligen deutschen Siedlungsgebieten in Ostmitteleuropa verbunden waren. Der politische Hintergrund des Gründungsprozesses war nicht unproblematisch: Generell war der "Neu"beginn der deutschen Geschichtswissenschaften nach 1945 durch die vorherige Tätigkeit vieler Historiker und Archivare in der NS-Kultur- und Wissenschaftsverwaltung der deutsch besetzten Gebiete oder in der nationalsozialistischen Version der "Ostforschung" belastet.

Gleichwohl war der  Weg des Herder-Instituts zu einer modernen transnationalen Ostmitteleuropa-Forschung schon früh angelegt. Insbesondere die baltendeutsche Geschichtsschreibung konnte an eine bis ins 19. Jahrhundert zurückreichende Tradition transnationaler Forschung anknüpfen. Aus dem Interesse an deutscher Geschichte im Osten Europas entstanden bedeutende Forschungserträge zu den Kulturbeziehungen zwischen Deutschen und ihren ostmitteleuropäischen Nachbarn sowie vielfältige Kooperationen mit Universitäten, Forschungsinstituten, Archiven, Bibliotheken und einzelnen Forscherpersönlichkeiten in Ostmitteleuropa und dem Baltikum.
Gleichzeitig wurde früh der Grund für die heutigen bedeutenden Sammlungen des Herder-Instituts gelegt. Die nach der kriegsbedingten Evakuierung "heimatlosen" Buchbestände und Archivalien ostdeutscher Forschungsinstitutionen fanden nach längeren Wanderungen in Marburg ein neues Zuhause. Neu aufgebaut wurde eine Bibliothek, eine Kartensammlung,  ein klassisches Archiv (die "Dokumentesammlung") sowie ein Presse- und Bildarchiv.
Im Zuge der gesellschaftlichen und universitären Umwälzungen in der Bundesrepublik der 1960er und 70er Jahre rückte eine neue Osteuropa-Historiker-Generation in die Schlüsselfunktionen des Herder-Forschungsrats auf. Der 2009 verstorbene Marburger Historiker Hans Lemberg steht stellvertretend für diese Generation, welche das Herder-Institut in seiner weiteren Entwicklung entscheidend prägte und ihm neue Wege wies. Das Forschungsinteresse richtete sich zunehmend auf eine "aus eigenem Recht" erforschte Geschichte unserer östlichen Nachbarn und ergänzte so die Schwerpunktforschung zu den deutschen Kulturen im Osten Europas.
Seit den 1950er Jahren spielte das Herder-Institut sowohl in der fachwissenschaftlichen Öffentlichkeit als auch in der Nachwuchsförderung und der Institutionalisierung grenzüberschreitender wissenschaftlicher Zusammenarbeit eine bedeutende Rolle. Das seit 1993 bestehende Auslandsstipendienprogramm schuf neue Kontakte nach Ostmitteleuropa, und die in den Räumen des Instituts regelmäßig stattfindenden Ausstellungen erschlossen neue Publika auch in der Stadt und Region.

Heute ist das Herder-Institut eine zentrale Einrichtung der historischen Ostmitteleuropa-Forschung in Deutschland. 1992 wurde das Herder-Institut Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, eines Verbundes von Forschungsinstituten mittlerer Größe in Bund-Länder-Förderung. Seit 1994 ist es aus der Trägerschaft des Herder-Forschungsrates herausgelöst und rechtlich selbständig.
Seit dieser Zeit kam es zu einer weiteren Schärfung des Institutsprofils, welche durch die politischen Umwälzungen seit 1989, die medientechnologische Entwicklung sowie die neuartigen Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Ostmitteleuropa unter demokratischen Bedingungen begünstigt wurde. Heute steht der Name "Herder-Institut" für eine der international bedeutendsten Spezialbibliotheken des Fachgebiets sowie für einzigartige Sammlungsbestände und umfangreiche IT-Angebote. Auf dem Marburger Schlossberg ist so ein unikaler Erinnerungsspeicher zur Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas und des Baltikums entstanden.