Zweite Polnische Republik - Chronologie

Ausgewählte Daten zur Geschichte der Zweiten Republik zusammengestellt von Heidi Hein nach: Manfred Hellmann: Daten der polnischen Geschichte, München 1985; Heidi Hein: Der Piłsudski-Kult und seine Bedeutung für den polnischen Staat 1926-1939, Marburg 2002 (Materialien und Studien zur Ostmitteleuropa-Forschung, Bd. 9); Rocznik polityczny i gospordarczy 1938 [Politisches und wirtschaftliches Jahrbuch 1938], Warszawa 1938, S. 28-43.

1916

  • 5. November: Manifest der Mittelmächte zur Bildung eines unabhängigen polnischen Staates
  • 6. Dezember: Berufung des Vorläufigen Staatsrates durch den deutschen Generalgouverneur Hans-Hartwig von Beseler

 

1917

  • 22. Januar: Rede von US-Präsident Woodrow Wilson, in der er über ein künftiges einiges, unabhängiges und autonomes Polen spricht.
  • 30. März: Manifest der Provisorischen Regierung Russlands an die Polen, wonach die Errichtung eines unabhängigen, aber mit Russland in Militärunion verbundenen Polen eine Notwendigkeit für den Frieden ist
  • 17.-22. Juli: Auflösung der Legionen Piłsudskis, Internierung der Legionäre und Piłsudskis selbst
  • 15. August: Konstituierung des Nationalkomitees in Paris unter Führung Roman Dmowskis
  • 11. September: Bildung des Regentschaftsrates des "Königreiches Polen" durch Patent der beiden Generalgouverneure
  • 20. September: Anerkennung des Nationalkomitees als offizielle Vertretung Polens durch Frankreich
  • 27. Oktober: Einsetzung des Regentschaftsrates: Erzbischof Kakowski, Zdzisław Lubomirski und Józef Ostrowski, Ministerpräsident Jan Kucharzewski (bis 14. Februar: 1918)
  • 7. November: Ausbruch der Oktoberrevolution in Russland
  • 7. Dezember: Bildung der Regierung Jan Kucharzewskis

 

1918

  • 8. Januar: US-Präsident Woodrow Wilson formuliert die Friedensbedingungen in den "14 Punkten", dessen 13. die Unabhängigkeit Polens mit Zugang zur Ostsee fordert
  • 3. März: Friedensvertrag zwischen den Mittelmächten und Sowjetrussland
  • 6. März: Der Regentschaftsrat erhält die hoheitliche Macht über die polnischen Streitkräfte in Russland
  • 4. April: Ernennung Jan Steczkowskis zum Ministerpräsidenten durch den Regentschaftsrat
  • 20. September: Bildung der polnischen Armee in Italien
  • 28. September: Die polnische Armee unter Józef Haller wird als alliierte Armee anerkannt
  • 2. Oktober: Bildung des Kabinetts Jan Kucharzewskis, jedoch keine Anerkennung
  • 7. Oktober: Proklamation des Regentschaftsrates an das polnische Volk: Bildung eines unabhängigen polnischen Staates
  • 26. Oktober: Regierungsbildung unter Ministerpräsident Józef Świeżyński, dessen Kriegsminister der noch inhaftierte Piłsudski wird
  • 27. Oktober: Bildung der allparteilichen Liquidierungskommission unter Ignacy Daszyński in Krakau
  • 28. Oktober: Programm der neuen Regierung (unabhängiges Polen aus allen drei Teilgebieten, Zugang zum Meer, Zusammentritt der Konstituante, Übergabe der Verwaltung an die Polen)
  • 31. Oktober: Zerfall der österreichisch-ungarischen Herrschaft über Galizien
  • 1. November: Beginn der polnisch-ukrainischen Kämpfe nach Machtergreifung eines Ukrainischen Nationalrates in Lemberg
  • 3. November: Entlassung der Regierung Świeżyński, Machtkampf mit Regentschaftsrat
  • 4. November: Regierungsbildung unter Władysław Wróblewski als Kabinett der "nationalen Konzentration"
  • 6. November: Entstehung der "Republik von Tarnobrzeg" als ein polnisches Machtzentrum
  • 6./7. November: Provisorische Volksregierung unter Daszyński nach Putsch Edward Rydz-Śmigłys
  • 7.-14. November: Zusammentritt der Vorläufigen Regierung der Polnischen Republik in Lublin, dann Unterstellung unter Piłsudski und Selbstauflösung
  • 10. November: Rückkehr Piłsudskis nach seiner Freilassung aus deutscher Haft
  • 11. November: Kapitulation Deutschlands, Piłsudski erhält vom Regentschaftsrat den militärischen Oberbefehl
  • 12. November: Abdankung Kaiser Karls I.
  • 14. November: Piłsudski erhält vom Regentschaftsrat die oberste zivile Gewalt übertragen, er wird Staatschef und ernennt Daszyński zum Ministerpräsidenten
  • 16. November: Note Piłsudskis an die ausländischen Staaten über die Entstehung Polens, aber Anerkennung erst Anfang 1919
  • 18. November: Ernennung Jędrzej Moraczewskis zum Ministerpräsidenten nach Ablehnung Daszyńskis durch die Rechte
  • 22. November: Dekret Piłsudskis: Verteilung der Kompetenzen zwischen ihm und der Regierung
  • 28. November: Dekret über die Wahlordnung und Wahlen zur Konstituante
  • 27. Dezember: Ausbruch des von der Polnischen Militärorganisation (POW) ausgelösten Großpolnischen Aufstandes, Anlass war der Aufenthalt Ignacy Paderewskis in Posen

 

1919

  • 2. Januar: Der polnische Selbstschutz gelangt in Wilna an die Macht, Flucht der litauischen Regierung wegen der Bedrohung durch die Rote Armee (Einnahme Wilnas 5./6. Januar:)
  • 4./5. Januar: Versuchter Staatsstreich in Warschau von rechtsgerichteten Gruppierungen
  • 7.-12. Januar: Die Verhandlungen zwischen Piłsudski und der Nationaldemokratie enden mit einem Kompromiss. Dmowski wird Verhandlungsführer mit freier Hand bei den Friedensverhandlungen in Paris
  • 18. Januar: Berufung der Regierung Ignacy Paderewskis, Beginn der Friedenskonferenz in Paris
  • 23. Januar: Besetzung Teschens durch tschechoslowakische Truppen
  • 19./26. Januar: Wahlen zur Konstituante
  • 10. Februar: Eröffnung des Verfassungsgebenden Sejm (Konstituante), Verabschiedung der "Kleinen Verfassung" und weitere Übertragung der obersten zivilen und militärischen Macht an Piłsudski bis zur Verabschiedung der Verfassung
  • 25. Februar: Territoriale Forderungen der polnischen Friedensdelegation werden der alliierten Kommission für polnische Angelegenheiten überreicht
  • 19. April: Besetzung Wilnas durch polnische Truppen
  • 14. Mai: Beginn der polnischen Offensive in Ostgalizien
  • 28. Juni: Unterzeichnung des Versailler Vertrages und des Minderheitenschutzvertrages durch Polen
  • 10. Juli: Beschluss einer gemäßigten Agrarreform durch den Sejm
  • 18. August: Erster Schlesischer Aufstand
  • 1. September: Waffenstillstand mit den ukrainischen Kräften Petl’uras
  • 10. September: Unterzeichnung des Vertrages von Saint Germain durch Österreich
  • 8. Dezember: Festlegung der Curzon-Linie durch den Obersten Rat der Entente als Demarkationslinie der unstreitig polnischen Gebiete im Osten

 

1920

  • 10. Januar: Inkrafttreten des Versailler Vertrags
  • 10. Februar: Polnische Truppen nehmen den im Versailler Vertrag zugestanden Teil der Ostseeküste in Besitz
  • 25. April: Offensivpakt zur Eroberung der Ukraine mit dem Oberbefehlshaber der unabhängigen Ukraine Petl’ura, dadurch Beginn der Kiev-Offensive gegen die Rote Armee
  • 8. Mai: Besetzung Kievs durch polnische Truppen
  • Juni: Sowjetische Diversion im Norden
  • 11. Juni: Beginn der Gegenoffensive der Roten Armee im Süden und Aufgabe Kievs durch polnische Truppen
  • 4. Juli: Sieg der Roten Armee im Norden
  • 10. Juli: Protokoll von Spa: gegen polnische territoriale Konzessionen wird Hilfe der Entente für Polen zugesagt
  • 11. Juli: Volksabstimmungen in West- und Ostpreußen zugunsten des Deutschen Reiches, die Curzon-Linie als ultimativer Waffenstillstandsvorschlag des Alliierten Obersten Rates
  • 12. Juli: Litauisch-sowjetrussischer Vertrag gesteht Litauen den Besitz Wilnas zu
  • 14. Juli: Besetzung Wilnas durch die Rote Armee
  • 15. Juli: Übergabe Wilnas an Litauen, Autonomiestatut Schlesiens durch die Konstituante verabschiedet
  • 18. Juli: Volksentscheid im Ermland und in Masuren
  • 19. Juli: Gesetz über die Durchführung der Bodenreform
  • 24. Juli: Berufung der Regierung der nationalen Verteidigung (Wincenty Witos – Ignacy Daszyński)
  • 28. Juli: Die Botschafterkonferenz der Entente teilt das Teschener Gebiet zwischen Polen und der Tschechoslowakei (Olsa als Grenzfluss)
  • 11. August: Vorstoß von Einheiten der Roten Armee bis zur Weichsel
  • 15. August: Polnischer Sieg über die Rote Armee bei Warschau: sog. "Wunder an der Weichsel"
  • 20. August: Zweiter Schlesischer Aufstand
  • 8. Oktober: Einnahme Wilnas durch polnische Truppen unter General Lucjan Żeligowski: Bildung des souveränen Staates "Mittellitauens"
  • 18. Oktober: Waffenstillstand zwischen Polen und Sowjetrussland
  • 27. Oktober: Erhebung Danzigs zur Freien Stadt durch die Botschafterkonferenz der Alliierten
  • 15. November: Proklamation der Freien Stadt Danzig

 

1921

  • 19. Februar: Polnisch-französischer Bündnisvertrag als Grundlage der polnischen Außenpolitik
  • 21. Februar: Geheime Militärkonvention mit Frankreich
  • 3. März: Polnisch-rumänischer Beistandspakt
  • 17. März: Verabschiedung der polnischen Verfassung
  • 18. März: Friedensvertrag von Riga zwischen Polen und Sowjetrussland
  • 20. März: Volksabstimmung in Oberschlesien
  • 3. Mai: Ausbruch des Dritten Schlesischen Aufstandes
  • 22.-24. Mai: Niederlage der polnischen Aufständischen in Schlesien am Annaberg
  • 18./19. Juni: Beendigung des Aufstandes in Oberschlesien durch den Alliierten Obersten Rat
  • 21. Oktober: Entscheidung der Botschafterkonferenz der Entente über die Teilung Oberschlesiens
  • 24. Oktober: Polnisch-Danziger Vertrag

 

1922

  • 8. Januar: Wahlen zum Wilnaer Sejm ohne Beteiligung von Litauern, der Juden sowie eines Teils der Weißrussen
  • 30. Januar: Statut zur vorläufigen Regelung der Verhältnisse der orthodoxen Kirche in Polen: Autokephalie der polnischen orthodoxen Kirche
  • 20. Februar: Der Wilnaer Sejm erklärt die Zugehörigkeit/Angliederung des Wilnaer Gebiets ("Mittellitauen") zu Polen
  • 17. März: Polens Verträge mit Lettland und Estland, Scheitern des seit 1920 betriebenen Plans einer "baltischen Liga" mit Finnland und Litauen als Gegenstück zur "Kleinen Entente"
  • 23. März: Angliederung des Wilnaer Gebiets an Polen
  • 17. April: Deutsch-sowjetischer Vertrag von Rapallo
  • 15. Mai: Konvention von Genf zwischen Polen und Deutschland über Oberschlesien
  • 15. Juni: Eingliederung Ostoberschlesiens: Schaffung der Wojewodschaft Schlesien mit Autonomiestatut und eigenem Landes-Sejm
  • 5./12. November: Wahlen zum Sejm und zum Senat
  • 4. Dezember: Ablehnung der Wahl zum Präsidenten durch Piłsudski
  • 9. Dezember: Wahl Gabriel Narutowicz’ zum Staatspräsidenten
  • 16. Dezember: Ermordung Narutowicz’ durch einen polnischen Nationalisten
  • 20. Dezember: Wahl Stanisław Wojciechowskis zum Staatspräsidenten

 

1923

  • 3. Februar: Aufteilung der neutralen Zone zwischen Polen und Litauen durch die Völkerbundkommission
  • 11. März: Beschluss über den Bau eines polnischen Hafens in Gdingen (Gdynia)
  • 15. März: Anerkennung der Souveränität Polens über das Wilnaer Gebiet und Galizien durch die alliierte Botschafterkonferenz
  • 29. April: Grundsteinlegung für den Hafen Gdingen (Gdynia) als Konkurrenz zu Danzig
  • 30. Mai: Rückzug Piłsudskis von allen politischen und militärischen Ämtern

 

1924

  • Januar: Höhepunkt der Inflation
  • 14. März: Beschluss des Völkerbundes über die Westerplatte in der Danziger Bucht als ständigem Umschlagsplatz für polnische Munition
  • 14. April: Währungsreform: Umstellung von Mark auf Złoty
  • 31. Juli: "Kresy-Gesetz": Vorantreiben der Polonisierung der Minderheitenschulen im östlichen Polen, durch Kultus- und Bildungsminister Stanisław Grabski angeregt

 

1925

  • 10. Februar: Konkordat mit dem Heiligen Stuhl
  • 15. Juni: Beginn des polnisch-deutschen Wirtschaftskrieges als Folge der Weigerung der Reichsregierung, nach Ablauf eines entsprechenden Abkommens weiter polnische Kohle zu importieren
  • 20. Juli: Beschluss über ein weiteres Agrarreformgesetz, das letztlich auch scheitert.
  • 7. August: Polnisch-deutscher Streit über die Ausweisung der Optanten
  • 16. Oktober: Paraphierung des deutsch-französischen Vertrags von Locarno, polnisch-französischer Garantiepakt
  • 28. Oktober: Bulle Papst Pius' XI. zur Begründung von insgesamt 15 Bistümern, darunter ein griechisch-katholisches (uniertes) Erzbistum und ein armenisches Erzbistum in Lemberg
  • 14. November: Beginn der offenen Angriffe Piłsudskis gegen die Regierung: Machtprobe
  • 20. November: Allparteienkabinett unter Aleksander Skrzyński zur Behebung der Wirtschaftskrise
  • 28. Dezember: Gesetz über die Agrarreform

 

1926

  • 24. April: deutsch-sowjetisches Neutralitätsabkommen von Berlin
  • 10. Mai: Berufung der Regierung Wincenty Witos
  • 12.-15. Mai: "Maiumsturz": Putsch Piłsudskis
  • 14. Mai: Rücktritt von Staatspräsident Wojciechowski
  • 15. Mai: Berufung der Regierung des kompromisshaften Technokraten Kazimierz Bartel (sog. "bartlowanie"), Piłsudski wird Diktator und Kopf des "Sanacja" ("Gesundung")-Regimes
  • 31. Mai: Wahl Piłsudskis zum Staatspräsidenten, er nimmt die Wahl nicht an
  • 1. Juni: Wahl Ignacy Mościckis zum Staatspräsidenten
  • 27. Juni: Polnisch-deutscher Grenzvertrag von Berlin
  • 2. August: Verfassungsänderung
  • 6. August: Dekret des Staatspräsidenten über die Schaffung des Generalinspektorats der Streitkräfte: Piłsudski erhält dieses Amt am 27. August: (bis zum Tod 1935)
  • 28. September: Litauisch-sowjetischer Nichtangriffs- und Neutralitätspakt
  • 2. Oktober: Piłsudski übernimmt die Ministerpräsidentschaft
  • 25. Oktober: Bündnis Piłsudskis mit den konservativen Kräften in Nieśwież
  • 4. Dezember: Gründung des Lagers des Großen Polen (Obóz Wielkiej Polski) durch Roman Dmowski (1932 zwangsweise aufgelöst) als Zusammenschluss der Rechtsopposition

 

1927

  • 15.-20. Januar: Verhaftung der Führer der weißrussischen, kommunistisch beeinflussten "Hromada" (für illegal erklärt am 21. März)
  • Anfang Dezember: Auftrag an Walery Sławek zum Aufbau einer parlamentarischen Hausmacht der Sanacja: Parteiloser Block der Zusammenarbeit mit der Regierung (des Marschall Piłsudski) (Bezpartyjny Blok Współpracy z Rządem, BBWR)
  • 9./10. Dezember: Piłsudski beim Völkerbund in Genf, Zusammentreffen mit Gustav Stresemann

 

1928

  • 19. Januar: Gründung des Parteilosen Blocks der Zusammenarbeit mit der Regierung
  • 4./11. März: Wahlen zum Sejm und Senat
  • 27. August: Unterzeichnung des Briand-Kellog-Paktes zur Ächtung des Krieges

 

1929

  • 15. Januar: Beginn der Sejm-Debatten um eine Verfassungsrevision
  • 27. Januar: Zusammenschluss von ukrainischen Nationalisten zur Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), die mit revolutionärer Taktik und Terroraktionen operiert
  • 6. Februar: Verfassungsentwurf des BBWR: Beginn des Kampfes um eine neue Verfassung
  • 9. Februar: Litvinov-Protokoll von Polen unterzeichnet: Verzicht auf Krieg als Mittel zur Lösung gegenseitiger Beziehungen
  • 12. Februar – 29. Juni: Aufarbeitung der Czechowicz-Affäre (Verwendung von Staatsgeldern ohne parlamentarische Ermächtigung; vor allem zu Wahlkampfzwecken) im Sejm auf Antrag der Mitte-Links-Parteien, mit Verhandlung vor dem Staatsgerichtshof
  • 12. April: Bildung der ersten Regierung der "Obersten"
  • 14. September: Bildung der Mitte-Links-Opposition Centrolew
  • 31. Oktober: Versammlung von ca. 90, teils bewaffneten Offizieren im Foyer des Sejm anlässlich der Sejmeröffnung, die nach der Weigerung Daszyńskis, den Sejm in Anwesenheit von Waffen zu eröffnen, auf den 5. Dezember: verschoben wird

 

1930

  • 13. März: Rücktritt des letzten Kabinetts Bartel, Ende des "bartlowanie", Beginn der "Regierungen der Obersten"
  • 27. März: Abschluss eines (vom Sejm nicht ratifizierten) polnisch-deutschen Handelsvertrags
  • 29. Juni: Kongress der Mitte-Links-Opposition mit Aufruf zum Kampf gegen die Regierung
  • seit 29. Juli: Guerillakrieg der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN)
  • 29. August: Auflösung von Sejm und Senat
  • 9./10. September: Beginn der Verhaftungswelle von politischen Oppositionellen, Ausschaltung der parlamentarischen Opposition
  • seit 15. September: Gewaltsame "Pazifikationen" gegen die OUN in Galizien
  • 16./23. November: Wahlen zum Sejm und zum Senat

 

1931

  • 15. Januar: Polnisch-rumänischer Garantiepakt
  • Januar: Beginn des Prozesses gegen die in Brest internierten Oppositionellen (bis 5. Oktober: 1933: nach Verurteilung Emigration von Wincenty Witos, Wojciech Korfanty, Thugutts u.a.)
  • März: Zusammenschluss aller Bauernparteien zur Stronnictwo Ludowe (Bauernpartei)
  • Dezember: Beginn einer aktiveren Außenpolitik Polens gegenüber Deutschland, Litauen, Tschechoslowakei

 

1932

  • 11. März: Verabschiedung der Schulreform
  • 26. März: Vorübergehende deutsch-polnische Wirtschaftsverständigung
  • 10. April: Abkommen Polens mit der UdSSR zur Beendigung der Grenzzwischenfälle
  • 15. Juni: Einlaufen des polnischen Zerstörers "Wicher" in den Danziger Hafen als Drohgebärde gegenüber Deutschland und Danzig
  • 25. Juli: Polnisch-sowjetischer Nichtangriffspakt
  • 2. November: Ablösung des Außenministers August Zaleski durch Józef Beck
  • 15. November: Gewaltsame Auflösung des Lagers des Großen Polen (Obóz Wielkiej Polski)

 

1933

  • 1. März: Eröffnung der Magistrale Schlesien - Gdingen
  • 6.-16. März: Besetzung der Westerplatte durch polnische Truppen: Im Laufe des Jahres polnische Politik des Drucks gegenüber Deutschland, möglicherweise polnische (historiographisch umstrittene) "Präventivkriegspläne"
  • 8. Mai: Wiederwahl Mościckis zum Staatspräsidenten
  • 28. Mai: Wahl einer nationalsozialistischen Regierung in Danzig, Bemühungen von Senatspräsident Hermann Rauschning um eine polnisch-deutsche Verständigung
  • 5. August: Polnisch-Danziger Verständigung über die Nutzung des Danziger Hafens durch Polen
  • 15. November: Gespräch Hitlers mit dem polnischen Botschafter in Berlin Lipski über einen Nichtangriffspakt

 

1934

  • 26. Januar: Polnisch-deutscher Nichtangriffspakt (auf zehn Jahre), Beendigung des Wirtschaftskrieges
  • 7. März: Polnisch-deutsches Protokoll über die Beendigung des Zollkrieges
  • 5. Mai: Polnisch-sowjetisches Protokoll über die Verlängerung des Nichtangriffspaktes um zehn Jahre
  • 14. Juni: Gründung des (rechten) National-Radikalen Lagers (Obóz Narodowo-Radykalny) als Abspaltung von der Nationaldemokratie (durch junge Kräfte)
  • 10. September: Definitive Ablehnung eines Ostpaktes durch Deutschland
  • 13. September: Kündigung des Minderheitenschutzvertrages durch Polen

 

1935

  • 27. Februar: Polnischer Handelsvertrag mit Großbritannien
  • 23. April: Inkrafttreten der neuen Verfassung
  • 12. Mai: Tod Piłsudskis, daraufhin informelle Sitzung des Ministerrates mit Weichenstellungen: Edward Rydz-Śmigły wird Generalinspekteur der Streitkräfte, Tadeusz Kasprzycki Minister für Militärische Angelegenheiten (sich andeutender Zerfall des Regierungslagers)
  • 17. Juni: Anweisung des Staatspräsidenten Ignacy Mościcki zur Errichtung eines "Isolationslagers" in Bereza Kartuska für Sicherheit und Ordnung bedrohende Personen
  • 3. Juli: Gespräche Hitler-Beck: Stabilisierung des polnisch-deutschen Verhältnisses
  • 8. Juli: Neue Wahlordnung, durch die eine stabile Regierungsbildung sichergestellt werden soll
  • 10. Juli: Auflösung der Legislative
  • 8./15. September: Wahlen zum Sejm und zum Senat
  • 30. Oktober: Auflösung des BBWR durch seinen Vorsitzenden Walery Sławek, daraufhin weiterer Zerfall des Regierungslagers der Sanacja

 

1936

  • 16.-21. Februar: Zusammenschluss der politischen Opposition in der Front Morges (mit Paderewski, Haller, Witos, Sikorski)
  • 12. März: Rydz-Śmigły zum Oberbefehlshaber ernannt, Erhalt des höchsten protokollarischen Rangs nach dem Staatspräsidenten
  • April: von der PPS organisierte Massenstreiks
  • Mai: Scheitern von Verhandlungen zwischen der PPS und der Kommunistischen Partei Polens zur Bildung einer Volksfront
  • Juni: Scheitern des von Rydz-Śmigły erteilten Auftrags zur Bildung eines neuen Regierungslagers am Widerstand Sławeks und seiner Anhänger, der Regierungsgewerkschaften und konservativer Kräfte
  • 10. Juni: Vierjahresprogramm für die polnische Wirtschaft, in dessen Rahmen Initiierung zur Gründung des Zentralen Industriebezirks (Centralny Okręg Przemysłowy) Anfang 1937
  • 25. November: Statut für die evangelisch-augsburgische Kirche in Polen

 

1937

  • 21. Februar: Vorbereitung zur Bildung des Lagers der Nationalen Einheit durch die Deklaration von Adam Koc
  • 1. März: Bildung des Lagers der Nationalen Einheit (Obóz Zjednoczenia Narodowego, OZN)
  • 15. März: Antisemitische Ausschreitungen in Warschau
  • 22. Mai: Polnisch-französischer Handelsvertrag
  • 15. Juli: Auslaufen der polnisch-deutschen Konvention über Oberschlesien
  • 15. und 19. Oktober: Streik der jüdischen Studenten und Kaufleute wegen antisemitischer Maßnahmen (separate Bänke für Juden in den Hochschulen)
  • 5. November: Deklaration der deutschen und der polnischen Regierung über die gegenseitige Behandlung der Minderheiten
  • 11. November: Nach offiziösen Feiern seit 1926: der 11. November wird als Staatsgründungstag gesetzlicher Feiertag

 

1938

  • 19. März: Ablauf eines zweitägigen Ultimatums mit militärischer Gewaltandrohung an Litauen zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen (Aufnahme ab 1. April:)
  • 21. Mai: Entschließung des Lagers der Nationalen Einheit über die Zurückdrängung von Juden im öffentlichen Leben
  • 24. Mai: Auf Druck der polnischen Regierung Erklärung der Tschechoslowakei zur Gleichbehandlung der Polen im Olsa-Gebiet mit den Sudetendeutschen
  • 21. September: Außenminister Beck verlangt von den Regierungen in Prag, Paris und London eine Lösung des Problems um das Olsa-Gebiet, Kündigung des polnisch-tschechoslowakischen Minderheitenvertrages
  • 1. Oktober: Abtretung des Olsa-Gebietes durch die Tschechoslowakei mit rund 1000 qkm und 200000 Einwohnern
  • 24. Oktober: Vorschläge Hitlers zur Rückgliederung Danzigs an das Deutsche Reich, über eine exterritoriale Eisenbahnlinie und Autobahn; Forderung nach Beitritt Polens zum Antikominternpakt
  • 6./13. November: Gelenkte Wahlen zum Sejm und zum Senat (Lager der Nationalen Einheit erhält 161 von 208 Mandaten im Sejm)
  • 26. November: Bestätigung des polnisch-sowjetischen Nichtangriffspaktes

 

1939

  • 4. Januar: Feststellung von Außenminister Beck, dass sich die gespannten Beziehungen zu Deutschland zu einem Krieg ausweiten könnten
  • 5./6. Januar: Besprechungen Außenminister Becks mit Hitler und Ribbentrop auf dem Obersalzberg über die deutschen Vorschläge vom 24. Oktober 1938
  • 25.-27. Januar: Gespräche mit Ribbentrop in Warschau, Ablehnung der deutschen Vorschläge
  • 10. März: Andeutung der sowjetischen Bereitschaft zu Verhandlungen mit dem Deutschen Reich durch Stalin
  • 21. März: Erneuerung der deutschen Vorschläge durch Ribbentrop
  • 23. März: Polnische Teilmobilmachung
  • 3. April: Befehl Hitlers zur Vorbereitung eines Angriffs auf Polen
  • 6. April: Vorläufiger englisch-polnischer Beistandspakt
  • 28. April: Kündigung des polnisch-deutschen Nichtangriffspaktes
  • 5. Mai: Rede Becks: Schuldzuweisung für die Entstehung des Konfliktes an Hitler
  • 10. Mai: Erklärung des sowjetischen Außenministers Potemkin an Beck einer "wohlwollenden Haltung" gegenüber Polen im Falle eines bewaffneten deutsch-polnischen Konfliktes
  • 19. Mai: Polnisch-französische Militärkonvention im Falle einer deutschen Aggression gegenüber Polen
  • 20./21. Mai: Demonstrationen der Danziger deutschen Bevölkerung gegen die Tätigkeit polnischer Zollinspektoren an der Grenze
  • 23. Mai: Erklärung Hitlers an seine Mitarbeiter über Entschluss zum Krieg gegen Polen im Falle dessen politischer Isolierung
  • 4. August: Beginn eines von Hitler herbeigeführten Zollstreits in Danzig
  • 22./23. August: Beginn der polnischen Mobilisierung entlang der Grenze
  • 23. August: Abschluss des Hitler-Stalin-Paktes und des geheimen Zusatzprotokolls
  • 25. August: Englische Beistandserklärung im Falle eines deutschen Überfalls auf Polen
  • 1. September: Überfall auf Polen: Beginn des Zweiten Weltkriegs
  • 16./17. September: Erklärung der Sowjetunion, dass sie Polen für nicht mehr existent ansehe und dass sie die Rote Armee in die von Weißrussen und Ukrainern bewohnten Gebiete zu deren Schutz einmarschieren lasse
  • 19. September: Die Masse der polnischen Heeresverbände kapituliert vor den deutschen Truppen