„Demokratiegeschichte des 20. Jahrhunderts als Zäsurgeschichte – Das Beispiel der frühen Weimarer Republik“

Kooperationsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Institut für Deutsche Sprache in Mannheim (Prof. Dr. Heidrun Kämper: Gesamtkoordination) und dem Institut für Zeitgeschichte in München (Prof. Dr. Thomas Raithel). Finanziert durch die Leibnizgemeinschaft aus Mitteln des Pakts für Innovation und Forschung.

 

Leitung des Projekts am Herder Institut: Prof. Dr. Peter Haslinger

Mitarbeiter: Agnes Laba, M.A. und Konstantin Rometsch

Im Mittelpunkt des transdisziplinären Projektes steht die politisch-soziale Umbruchsphase von der Monarchie zur Demokratie in den frühen Jahren der Weimarer Republik (1917-1925), die aus den  Perspektiven der Sprach-, Mentalitäts- und Diskursgeschichte beleuchtet werden soll. Das Forschungsvorhaben zielt dabei auf die Vernetzung der drei disziplinären Zugänge und auf die Etablierung eines neuen transdisziplinären Modells der Diskursanalyse, das die Möglichkeiten (und Grenzen) von Interdisziplinarität deutlich macht.

Das am Herder-Institut angesiedelte Teilvorhaben widmet sich aus der Perspektive der diskursgeschichtlichen Forschung der Frage nach den Regeln der Konsensfindung bzw. Differenzaustragung im demokratischen Rahmen der frühen Weimarer Republik. In Orientierung an Einzelereignissen, thematischen Bündelungen, Kollektivsymbolen und Schlüsselbegriffen in ausgewählten Diskursen und Debatten wird die Entwicklung des Demokratiediskurses exemplarisch u. a. am Beispiel der Debatte um den Friedensvertrag von Versailles und der Diskussion um die Ostgrenzen Deutschlands untersucht. Hierzu wird nicht nur die politisch-publizistische Debatte dargestellt und mit diskursanalytischen Methoden analysiert, sondern diese auch mit neueren Forschungen zu wissenschaftlichen Diskursen (etwa zur Frühphase der „Volksgeschichte“ sowie der Mitteleuropadebatte der Zwischenkriegszeit) verknüpft. Der Fokus dieses diskursgeschichtlichen Arbeitsbereichs des Gesamtprojektes ist u. a. auf Diskursthemen wie ‚Mehrheiten’, ‚Minderheiten’ ‚Grenze’, ‚Gemeinschaft und Staat’ gerichtet. Ein besonderes Gewicht liegt auf der Analyse bildlicher Quellen (z.B. in Werken der politischen Publizistik, in der Karikatur oder auf Propagandapostkarten) und der Rolle von Schriftlichkeit in Kartenmaterial, wodurch der Versuch unternommen wird, eine bisherige Forschungslücke der historischen Diskursanalyse, die Einbeziehung von Text-Bild-Relationen, im Rahmen des Gesamtvorhabens zu schließen.