Die Grenzen des Eisernen Vorhangs am Beispiel Polens und der Tschechoslowakei

Jasmin Nithammer M.A.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Begriff „Eiserner Vorhang“ zu einem Synonym für Unfreiheit, Rückstand, Staatssozialismus, Gewalt, das totalitäre System und den Kalten Krieg. Das sozialistische System verfolgte mit dem Eisernen Vorhang als Block- und Systemgrenze durch eine hermetische Abschottung aller Lebensbereiche vom „kapitalistischen Westen“ eine radikale Grenzpolitik. Die Außengrenzen des sowjetischen Machtbereiches wurden stark befestigt, um dem Sicherheitsbedürfnis der UdSSR gerecht zu werden. Vor diesem Hintergrund nahmen Polen, mit seiner Ostseeküste und der damit verbundenen Seegrenze zu den nordeuropäischen Staaten, sowie die Tschechoslowakei mit ihrer direkten Grenze zur Bundesrepublik Deutschland eine besondere Rolle ein, die in dem Dissertationsprojekt untersucht wird.

Bei einem Vergleich der beiden Grenzen, ihrer Grenzregime und Grenzpolitik sowie der damit in Zusammenhang stehenden Raumkonzepte steht die Bedeutung von Räumlichkeit, Macht und Geopolitik bei der Herstellung sozialer Wirklichkeit, die Rolle der Kartografie im politischen Diskurs der jeweiligen Volksrepublik, die kartografische Darstellung territorialer Vorstellungen, sowie die Herstellung, Wahrnehmung und Propagierung bestimmter Raumbilder und -konzepte im Vordergrund.

Durch die Analyse der Quellenmaterialien (Karten, politische Publizistik, bildliche Raum- und Grenzdarstellungen), unter Berücksichtigung von Zensur und Propaganda, sollen die Bedeutung der Grenzen des Eisernen Vorhangs bei der Konstruktion von Raumbildern im sozialistischen System  anhand zweier unterschiedlicher Grenztypen (Seegrenze vs. Landgrenze) herausgearbeitet und ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede dargestellt werden.