04.11.2009
Gesellschaftliche Randgruppen in Ost- und Mitteleuropa seit dem Mittelalter
PoznaƄ 04.11.2009 - 06.11.2009

Wissenschaftliche Nachwuchstagung des Instituts fĂŒr Germanistik und des Historischen Instituts der Adam-Mickiewicz-UniversitĂ€t PoznaƄ und des Herder-Instituts e.V. Marburg

Programm

Randgruppen – ethnische, konfessionell-religiöse, soziale, politische  –  lassen sich in jeder Gesellschaft finden. Werden sie  als Minderheit definiert, bedeutet sie, dass sie bei der Mehrheit der Gesellschaft nicht als in das vorherrschende politische, soziale, kulturelle GefĂŒge (vollstĂ€ndig) integrierte Gruppe gelten. Wie sie von und innerhalb der jeweiligen Gesellschaft  behandelt werden, gibt einerseits Aufschluss, welchen Status und welches Ansehen (so ist etwa auch zu fragen, ob Randgruppen per se immer negativ stigmatisiert werden) sie in ihr haben. Andererseits finden  in der Auseinandersetzung mit ihrem Status und Bild Inklusions- und Exklusionsprozesse statt, es wird also die IdentitĂ€t der Gesellschaft wie die der Angehörigen der Randgruppe definiert.


Die deutsch-polnische interdisziplinĂ€re Nachwuchstagung möchte sich ĂŒber verschiedene AnsĂ€tze (‚realgeschichtliche‘ und erinnerungskulturelle) dieser Problematik nĂ€heren.  So geht es etwa darum, die historische Dimension dieses Themenkomplexes herauszuarbeiten, andererseits aber auch, wie solche Randgruppen insbesondere mithilfe von diskursiven Strategien stigmatisiert werden. Eine weitere mögliche Frage ist, wie sich der Umgang mit einer ethnischen Randgruppe beispielsweise auch auf die bilateralen Beziehungen auswirkte und in der longue durĂ©e ausgewirkt.


Ein weiteres Ziel dieser internationalen Nachwuchstagung ist es daher, das VerhĂ€ltnis zwischen ‚realgeschichtlicher‘ und erinnerungskultureller Perspektive und damit das VerhĂ€ltnis beider Paradigmen zu diskutieren. Eine weitere Frage ist auch, ob sich nationale Sichtweisen mit europĂ€ischen oder transnationalen verbinden lassen.

Im Zentrum der vorgestellten Projekte sollen Dissertationen stehen, bei denen mehrere konzeptionelle ZugĂ€nge verbunden werden. Solche AnsĂ€tze können sein: Verflechtungs-, Transfer- und Beziehungsgeschichte, vergleichende historische Forschung, Erinnerungsorte, Migrationsgeschichte, PhĂ€nomene der HerrschaftsĂŒberschichtung, Imperiengeschichte, aber auch AnsĂ€tze der MentalitĂ€tsgeschichte, der historischen Stereotypenforschung und Diskursanalyse sowie die Frage nach Akkulturations- und Assimilationsprozessen. Der Schwerpunkt wird dabei besonders auf Ostmitteleuropa gelegt, vergleichend sollen jedoch auch Beispiele aus anderen Teilen Europas in die Diskussion eingebunden werden.

PROGRAMM


Mittwoch, den 4. November

Anreise der Teilnehmer

16.00-16.15 Uhr
BegrĂŒĂŸung durch den Direktor des Historischen Instituts, Prof. Dr. Kazimierz Ilski, Vertreterin des Herder-Instituts Dr. Heidi Hein-Kircher und der Direktorin des Germanistischen Instituts, Prof. Dr. Maria Wojtczak; Eröffnung der Tagung

16.15- 17.00 Uhr
Eröffnungsvortrag
Heidi Hein-Kircher: Historische Parallelgesellschaften. Überlegungen zur PraktikabilitĂ€t eines soziologischen Begriffes in der Historiographie

17.00-17.15 Uhr
Kaffeepause

1. Sektion: Sprache und Religion als Ausgrenzungsmerkmal
Leitung: Krzysztof Makowski


17.15-18.15 Uhr
Samuel Feinnauer: „Qualitative Randgruppen“: Protestanten und Katholiken in Thorn im Kontext des „Thorner Blutgerichts“ von 1724
Patrick Blum: Language and Religion in Powiat ZƂotów:
German Catholics as a New Marginal Group
Sandra KreisslovĂĄ: Zur Problematik der ethnischen Identifikation der deutschen Minderheit im Gebiet Chomutov/Komotau

18.15-18.45 Uhr
Diskussion

19.00 Uhr
BegrĂŒĂŸungsabend


Donnerstag, den 5. November

2. Sektion: Inklusion und Exklusion als Mittel zur IdentitÀtsbildung
Leitung: Heidi Hein-Kircher

9.00-10.00 Uhr
Dirk Suckow: ReprĂ€sentation - Inklusion – Exklusion ‚Zigeunerbilder‘ in SpĂ€tmittelalter und FrĂŒher Neuzeit
Katrin Freese: Zur Imagination von Weiblichkeit im Orient und in Osteuropa in ausgesuchter deutschsprachiger Reiseliteratur des 19. Jahrhunderts
Christhardt Henschel: Die Lemken – Minderheit zwischen den Nationen

10.00-10.30 Uhr
Diskussion

10.30-11.00 Uhr
Kaffeepause

11.00-11.40 Uhr
Agata Kochanowska: Das Kanakenleben am Rande der Gesellschaft.  Feridun Zaimoglu und Fatih Akin ĂŒber die grĂ¶ĂŸte Minderheit auf deutschem Boden
Katharina Tyran: GewĂŒnschte HomogenitĂ€t versus gelebte HeterogenitĂ€t – zum SelbstverstĂ€ndnis der burgenlĂ€ndischen Kroaten jenseits der Grenzen

11.40-12.10 Uhr
Diskussion

12.30-13.30 Uhr
Mittagspause

3. Sektion: Mechanismen von Inklusion und Exklusion
Leitung: Anna Kochanowska-Nieborak


13.30-14.50 Uhr
Maciej MoszyƄski: Antisemitismus in Kongresspolen. Genese und Formierung einer modernen antijĂŒdischen Ideologie (1864-1914)
Agnieszka Wierzcholska: Die Beziehungen zwischen Juden und Nicht-Juden in Polen von den 1930er bis in die 1950er Jahre – eine Mikrogeschichte im Raum Lublin
Katarzyna Woniak: VerdrÀngen und Wiederentdecken. Die Erinnerungskultur in den polnischen KleinstÀdten Labes, Flatow und Czarnikau 1945-2008
Mariusz Filip: KontinuitÀt durch Wandel? Sozialpolitischer Status der sogenannten Slowinzen (Lebakaschuben) in der Geschichte

14.50-15.30 Uhr
Diskussion

15.30-16.00 Uhr
Kaffeepause

17.00- 18.00 Uhr
Buchvorstellung – Christoph Schutte: Die Königliche Akademie in Posen (1903-1919) und andere kulturelle Einrichtungen im Rahmen der „Politik zur Hebung des Deutschtums“; Diskussion

ab 18.00 Uhr
Zeit zur freien VerfĂŒgung


Freitag, den 6. November

4. Sektion: Soziale und politische Exklusion von Randgruppen
Leitung: Kazimierz Ilski

9.00-10.00 Uhr
Julia DĂŒcker; Julia Itin: Po lin (Hier sollst Du ausruhen) – Zum „eintrĂ€chtigen VerhĂ€ltnis“ von König und Juden im ausgehenden Mittelalter
Stephan Stach: StaatsbĂŒrgerschaftskonzepte ethnoreligiöser Minderheiten in der Zweiten Polnischen Republik – Zwei Wissenschaftseinrichtungen im Vergleich
Joachim Krauss: Roma als osteuropĂ€ische „Underclass“? Sozialer Wandel in Romagemeinschaften in NordsiebenbĂŒrgen/RumĂ€nien im Umbruch von der staatssozialistischen zur postsozialistischen Periode

10.00-10.30 Uhr
Diskussion

10.30-11.30 Uhr
Kaffeepause

11.30-12.00 Uhr
Abschlussdiskussion

12.00 Uhr
Rundgang durch PoznaƄ

[14.27 Uhr]
[Zug nach Berlin]

 

Dr. Heidi Hein-Kircher
Herder-Institut e.V.
Gisonenweg 5-7
35037 Marburg
Email: forum@herder-institut.de